Österliche Elegie

Just dieser Tage drängt sich das Drama des irdischen Daseins auf.

PVon fern glitzern schneebedeckte Berge gleißend in der Frühlingssonne, davor wellen sich saftig-grüne Weiden und Hügel, in den Tälern sind die Bäche längst vom Eis befreit: Idyllischer als zu den Ostertagen könnte ein Spaziergang in der voralpinen Welt, bevölkert von Ausflüglern, Radfahrern und Wanderern, nicht sein. Es blüht und sprießt: Die Natur geizt nicht mit ihren Wundern. Wie heißt es im Dichterwort: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!“

Und doch drängt sich just dieser Tage, da die Christenheit Tod und Auferstehung feiert und das Judentum das Ende der Sklaverei und den Exodus in das verheißene Gelobte Land, das Drama des irdischen Daseins auf. Das Busunglück auf der Blumeninsel Madeira, der Tod einer Journalistin im aufflackernden Konflikt in Nordirland, der Lawinentod dreier Alpinisten in den kanadischen Rockies und zu schlechter Letzt die Tragödie in Sri Lanka, die konzertierte, perfide Terrorserie im vermeintlichen Ayurveda-, Yoga- und Wellness-Paradies im Indischen Ozean: Sie führen uns vor Augen, wie zerbrechlich das Glück ist und wie vergänglich das Leben; wie kostbar es ist und wie schmerzhaft, es loszulassen.

Am Ende bleiben uns Goethe, sein ewiger Wunsch im Faustischen Pakt und das Wissen um dessen Vergeblichkeit: „Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön!“ (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2019)

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