Kurz in Kanada

Die Welt“ brachte gestern eine interessante kontrafaktische Geschichte, ein Gedankenexperiment: Was, wenn nicht die amerikanischen Kolonien, sondern die Briten den Unabhängigkeitskrieg gewonnen hätten?

Die USA gäbe es in dieser Form nicht, sie wären heute wie Kanada. Mit Premierminister und Queen.

Wenn wir das weiter fortspinnen: Was, wenn nicht die ÖVP, sondern die SPÖ die vergangene Nationalratswahl gewonnen hätte? Nun, Christian Kern wäre noch immer Kanzler. Und wir wüssten wohl nichts von freiheitlichen Vizebürgermeistern und ihren Gedichten. Reinhold Mitterlehner hätte als Wirtschaftskammer-Präsident ein Buch über die Sozialpartnerschaft im 21. Jahrhundert geschrieben, das keiner kaufen würde. Die Oppositionspartei FPÖ läge in den Umfragen für die bevorstehende EU-Wahl meilenweit voran. In der ÖVP wäre die nächste Obmanndebatte absehbar. Wolfgang Brandstetter, der der ÖVP letztlich dann doch beigetreten war, um sie zu übernehmen, hätte als stark angezählt gegolten – als Nachfolgekandidaten wären Reinhold Lopatka vom rechten Flügel und Othmar Karas vom linken Flügel (sofern er die EU-Wahl halbwegs achtbar absolviert hätte) die Favoriten gewesen.

Und Sebastian Kurz wäre nach einem Sabbatical als Start-upper in den USA neu durchgestartet. Also: in Kanada. (oli)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2019)

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