Brexit-Eigentor im Tollhaus

Fairplay ist zur Rarität geworden im Sport, selbst im britischen.

Nicht zu Unrecht geht die Fama, dass britische Gentlemen die Fairness praktisch erfunden haben – im Cricket, im Golf und nicht zuletzt im Fußball. Es waren glorreichen Zeiten, als Britannia über die Meere herrschte und sich das Empire über den Globus spannte.

Leeds United und Aston Villa haben auch schon bessere Zeiten gesehen. In den 1970er-Jahren war Leeds eine Trademark. Nun trafen die beiden Teams im Aufstiegskampf für die Premier League aufeinander, und es begab sich Kurioses: Obwohl ein Spieler der gegnerischen Mannschaft verletzt auf dem Feld lag, spielte Leeds weiter und erzielte ein Tor. Ob der Unsportlichkeit packten Villa-Spieler den Torschützen am Schlafittchen – und auch Leeds-Trainer Marcelo Bielsa platzte der Kragen. „El Loco“ – der „Verrückte“, wie sie ihn in der argentinischen Heimat nennen – ordnete an, dass Leeds zum Ausgleich ein Gegentor zulässt. Zwei Villa-Spieler spazierten durch die statischen Leeds-Reihen, einer traf ins leere Tor.

Arsène Wenger, Arsenals frühere Trainerlegende, war voll des Lobs. Die „Times“ schrieb, Bielsa bringe „etwas Vernunft ins britische Tollhaus“. Wie wahr. Jetzt hoffen sie im Königreich, dass das Brexit-Eigentor annulliert wird – und dass Hilfe von außen kommt. SOS: Gibt es einen Bielsa in Brüssel? (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

[PECHP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2019)

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