Gelbhemden und Tanktop-König

Bei der Zeremonie zur Inthronisation des neuen Tenno in Tokio, der Besteigung des Chrysanthementhrons durch Kaiser Naruhito, fehlten eigentlich nur die Sieben Samurai, um die neue Epoche mit einer Schwertshow zu zelebrieren. Die Kirschbäume waren verblüht, aber sonst strahlte Japan bis hin zum Fuji in allen Farben.

Da wollen die Thais nicht nachstehen, wenn sie bald ihren neuen König Vajiralongkorn alias Rama X. krönen, der bereits seit zweieinhalb Jahren im Amt ist, aber nicht hochoffiziell. Thailands Militärregierung gab die Parole aus, dass sich die Thais tunlichst in der Signalfarbe Gelb – der Farbe der Monarchie – kleiden sollten. Und das ganze vier Monate lang, bis zum Geburtstag des Königs am 28. Juli. Über das Meer an Gelbhemden wären die Rothemden der SPÖ am Rathausplatz und die Rotweißrot-Westen der FPÖ verblüfft.

Vollends perplex wären sie angesichts der devoten Untertanen, die sich zur Huldigung des Königs niederknien – zur Not per Knüppel gezwungen. Ob Vajiralongkorn derlei in seiner oberbayerischen Wahlheimat am Starnberger See kennengelernt hat, wo er als Inkarnation eines modernen Ludwig II. auftritt, in tätowierter Pracht, mit Tanktop und Schoßhündchen auf dem Arm? Zu den Thronfeierlichkeiten könnte er ja Schuhplattler, Gstanzlsänger und Goaßlschnalzer in Tracht nach Bangkok einfliegen lassen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

[PF1ZV]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2019)

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