Kloppo und die „Kings of Europe“

Die Wogen des Patriotismus schäumen über. Gazetten, die sonst auf der Welle des Brexit-Populismus surfen, raunen vom Wunder.

„Football Full House“, titelte der „Daily Telegraph“, und die „Times“ schwelgte: „Kings of Europe“. Die Pubs voll und die Biertrinker auch bis unter die Haubitze. Und durch die Nacht hallte der Gassenhauer, die Liverpool-Hymne „You'll Never Walk Alone“.

Der Siegeszug der englischen Fußballklubs, der Einzug der „Fab Four“, von Liverpool und Tottenham ins Champions-League-Finale und von Arsenal und Chelsea ins Endspiel der Europa League, lässt die Herzen der Fans höher schlagen. In Heerscharen werden sie ausschwärmen nach Baku und Madrid, die Finalorte – und vor allem in Spanien wird ein wenig die Angst umgehen vor der Invasion.

Kurios am Triumph des Inselfußballs ist, dass er maßgeblich mit internationaler Hilfe zustande kam. Die Torschützen, die Trainer, die Besitzer – allesamt überwiegend Ausländer. Kein Wunder, dass Labour-Chef Jeremy Corbyn der glücklosen Premierministerin Theresa May empfahl, Tipps beim deutschen Liverpool-Coach Jürgen Klopp einzuholen. Manche vergleichen seine Pep-Talks in der Kabine mit Winston Churchills Kriegsreden. Wenn einer die Briten zur Umkehr auf hoher See überreden kann, dann „Kloppo“, der „German Guru“, den sie schon fast eingebürgert haben. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

[PFUPJ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2019)

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