Von den Socken

Wahlkampfzeiten fordern den Kombattanten alles ab.

Wahlkampfzeiten fordern den Kombattanten alles ab. Gefühlte drei Mal steigen sie Tag für Tag zum Schaukampf ins Scheinwerferlicht der Arena, aufeinandergehetzt von Parteistrategen und versorgt mit Tipps der PR-Gurus, gelöchert von den immer gleichen Fragen und konfrontiert mit mehr oder weniger werten Mitbewerbern. Sie rollen mit den Augen, kneten die Hände, schütteln den Kopf, fuchteln und zappeln, als stünden sie auf der Bühne eines Schmierentheaters. Vieles ist zum Schreien, zum Davonlaufen.

Schauspielkunst ist also gefragt, Mimosen sind rasch entlarvt. Manche orientieren sich an Brando, manche an Brandauer. Jedem sein Stil: Othmar Karas, zugeknöpft bis oben, mit salbungsvollem Lächeln gegen jede Kurz-Konterattacke; Werner Kogler als hemdsärmeliger, saftig-steirischer Wilder, der bei Kanzler-Vorstößen rotsieht; Johannes Voggenhuber, innerlich bebend, so als würde ihm gleich der Kragen platzen. Und sonst? Vilimsky, der Faserschmeichler; Schieder mit Schlafzimmerblick; und die turnschuhfite Gamon.

Apropos Schuhe. Kurz-Intimus Gernot Blümel exerzierte vor, wie es hinter den Kulissen zugeht: Der Schuhe ledig, kam er im Parlament relaxed auf leisen Sohlen in türkisen Socken daher – und alle waren von den Socken. Olfaktorisch und modisch eine Frage des Geschmacks, in puncto Branding auf der Höhe der Zeit. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2019)

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