Macrons zartes Pflänzchen

Was war das für ein Getue und Getätschel, als Donald Trump und Emmanuel Macron ihre Männerfreundschaft zelebrierten – inklusive eines Wettbewerbs im Händedruckquetschen.

Hier ein joviales Schulterklopfen, dort eine Umarmung, die in einem Wangenküsschen mündete – das der US-Präsident womöglich lieber mit Brigitte Macron, der Première dame, ausgetauscht hätte.

Die First Ladys standen in ihren High Heels indes in geziemendem Abstand, als ihre Männer im Vorjahr am South Lawn des Weißen Hauses als Gärtner mit einem Spaten ans Werk gingen. Sie setzten eine französische Eiche als Zeichen der unverbrüchlichen amerikanisch-französischen Freundschaft. Doch anders als das steinerne Zeugnis, die Freiheitsstatue in New York, erwies sich die Eiche als zartes Pflänzchen, das in der US-Quarantäne einging.

Es ist ja so eine Sache mit Gastgeschenken. „Die Arme hat nicht überlebt, weil sie wohl einem zu harten Regime unterzogen wurde“, kommentierte Macron süffisant – um demnächst eine neue Eiche über den Atlantik zu schicken. Vielleicht sollte er es diesmal mit einer steirischen versuchen. Die gedeiht in dem Klima und schlägt Wurzeln. Oder er sollte es bleiben lassen. Trump, der Abstinenzler, drohte neulich gar, französischen Wein mit Strafzöllen zu belegen – ein Sakrileg, eine Kriegserklärung gegen das Savoir-vivre. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

[PIO5F]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2019)

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