Tea Time mit Theresa

Wer will sich schon in Brüssel die Nächte um die Ohren schlagen müssen, abgefüllt mit Bier und abgespeist mit Moules frites?

Wer will sich schon in Brüssel die Nächte um die Ohren schlagen müssen, abgefüllt mit Bier und abgespeist mit Moules frites? Obendrein als Partygast, der nicht mehr so recht willkommen ist in der Tafelrunde der Staats- und Regierungschefs – eher geduldet wie eine schrullige Tante. Wer hätte gedacht, dass just Theresa May noch einmal am Sitz der EU-Kommission auftauchen würde, keine 100 Tage nach dem geplanten Brexit-Datum?

Ihre letzten Amtswochen müssen sich für die britische Noch-Premierministerin wie eine Höchststrafe anfühlen. Während zu Hause in Downing Street Boris Johnson ante portas steht, zog sie beim G20-Gipfel in Osaka beim Treffen mit Wladimir Putin eine säuerliche Miene. Dann platzte auch noch Ivanka Trump, diese Wichtigtuerin und Berufstochter, in ein Gespräch mit Emmanuel Macron. Da braucht es große Contenance, die nicht einmal Christine Lagarde aufbrachte, die Grande Dame des Währungsfonds.

Wer wollte es May angesichts des Brüsseler Bazars verdenken, dass sie sich lieber der Cricket-WM in der Heimat widmete, diesem urenglischen Gentleman's Sport samt Lunchpause und Tea Time, mit Spielen, die sich über Tage und Wochen hinziehen, ohne dass rasend viel passiert. Bald wird sie als Politrentnerin, ganz ohne Aufgeregtheit, mehr Zeit für Cricket haben, als ihr lieb ist. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2019)

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