Schwanengesang

Im Lauf der Jahre ist viel Wasser die Themse hinuntergeflossen – und spätestens seit Edgar Wallace wissen wir, dass ein paar Leichen mitgeschwommen sind.

Ob die Schwäne einen Gesang dazu angestimmt haben, wissen wir indes nicht mit Sicherheit zu sagen. Gewiss ist allerdings eine Tradition, die ins 12. Jahrhundert zurückreicht, als der englische Königshof die Schwäne auf der Themse zählen ließ. Das Federvieh, das so elegant, um nicht zu sagen majestätisch, durchs Wasser gleitet – gleichsam die Könige der Flüsse und der Binnengewässer –, galt als Delikatesse bei Hof.

Die Vorlieben und Geschmäcker im Buckingham Palace haben sich zwar geändert, nicht aber lieb gewordene Rituale wie die sommerliche Schwanzählung. In Ruderbooten, mit roten Shirts und weißen Hosen schwärmen die Spezialkommandos ihrer Majestät zum sogenannten Upping an der Themse aus. Glückliches Britannien, das an der Größe des Empire festhält und keine anderen Sorgen kennt – oder die trübe Wirklichkeit konsequent ausblendet.

Auch anderswo, rund um Berlin, ziehen auf der Spree und in den Seen Schwäne ihre Runden. Eine „Schwänin“, die Politologin Gesine Schwan, schickt sich gar an, für den Vorsitz der „alten Tante“ SPD zu kandidieren. Wenn sie sich nur nicht im Kreis dreht und das alles in einem Schwanengesang endet. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2019)

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