Großmütterliche Tipps

Allerhöchste Zeit, um in die Sommerfrische abzutauchen – vom Treibhausklima an der Themse, der überhitzten Londoner Politblase, nach Balmoral, in die schottischen Highlands.

Das mag sich die Queen gedacht haben, nachdem sie im Buckingham Palace den Machtwechsel von Theresa May zu Boris Johnson vollzogen hat – den Tory-Führern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Wie sich das protokollarisch abspielt, führte der Film „The Queen“ über die Monarchiekrise um den Tod von Lady Di vor, als Tony Blair das Szepter in die Hand nahm. Dass Elizabeth II. und ihre Alterskollegin Margaret Thatcher einander nicht sonderlich grün waren, gilt als offenes Geheimnis. Die Konsultationen sind längst Routinesache für die Königin, die in ihrer 67-jährigen Regentschaft 14 Premierminister begleitet hat – von Kriegspremier Winston Churchill, den sie als Twen verehrt hat, bis Johnson, der sie womöglich an den eigenen ungezogenen Nachwuchs erinnert.

Nur zu gerne wüssten wir, ob sie im Small Talk über Pferde und Cricket sprachen; ob sie ihm beim Brexit ins Gewissen redete. Oder ob sie ihm großmütterliche Tipps gab in Frisur- und Stilfragen – und ihn ermahnte, im Amtssitz in der Downing Street im häuslichen Konflikt mit seiner Freundin nicht Porzellan und Teetassen zu zerschlagen und überhaupt zu großen Krach zu machen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

[PN50H]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2019)

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