Alpenkrieg

Viel fehlt nicht, und Tiroler und Bayern gehen aufeinander los wie zu Andreas Hofers Zeiten.

Erbarmungslos wie im Death Valley oder am Toten Meer brennt die Sonne auf den Asphalt, dass der Teer schmilzt und die Gemüter in den Blechkarossen überkochen. Es herrscht Ausnahmezustand auf den Alpenstraßen, und am Walserberg und in Kiefersfelden entlädt sich, was sich monate-, jahre- und mitunter ein Leben lang innerhalb und jenseits der Alpentäler aufgestaut hat.

Es schäumt und brodelt auf beiden Seiten: keine freie Fahrt über den Brenner zum Münchner „Mare nostrum“, dem Gardasee; Stop-and-go für die hochgezüchteten SUVs und Cabrios aus bayerischer Produktion. Markus Söder und Andreas Scheuer, die CSU-Spezis, gießen Sonnenöl in den Schwelbrand. Und Günther Platter, als Ex-Verteidigungsminister in Abwehrpanzerhaltung, ruft zum Aufstand: „Mander und Weiberleit, 's isch Zeit!“

Viel fehlt nicht, und Tiroler und Bayern gehen aufeinander los wie zu Andreas Hofers Zeiten – freilich nicht mit Dreschflegeln und Heugabeln, Sensen und Äxten, vielmehr mit Traktoren und Mähdreschern, Kettensägen und SUVs. Alpenkrieg am Achensee und am Wilden Kaiser um Kitzbühel, dem Domizil der Münchner Zweitheimbesitzer im Dilemma, im Ziller-, Ötz- und Kaunertal. Und nur einer, der das verhindern kann: Alexander Van der Bellen, Friedensfürst und Alpenkönig aus dem fernen Wien. (vier)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2019)

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