Regierungswechselreinemachen

Dass man bei uns Datenträger entsorgt, wenn's Wechsel bei der Staatsführung gibt, ist gewiss kein neues Phänomen. Und exklusiv auf Festplatten wird es sich auch nicht beschränken, oder?

Aufräumen ist grundsätzlich nicht so schlecht.
Aufräumen ist grundsätzlich nicht so schlecht.
Aufräumen ist grundsätzlich nicht so schlecht. – The Simpsons

Nun also ahnen wir, dass es bei einem Regierungswechsel in Österreich offenbar üblich ist, elektronische Datenträger aus der Ära der Vorgängerregierung verschwinden zu lassen, ja zu zerstören. Auch beim Wechsel von Kern zu Kurz sei das schon passiert, heißt es. Und so etwas wird - man kann da recht sicher sein - auch früher passiert sein, nicht nur im Kanzleramt. Und diverse Papierln hat man dabei vermutlich auch geschreddert. Zur Sicherheit, man vertraut einander ja so.

Wetten, dass bei Regierungswechseln am Ballhausplatz noch so manch anderes beseitigt bzw. ausgetauscht wird? Die Sessel etwa. Weil die alten nämlich so angesägt sind. Man verlegt auch Böden und Teppiche neu, wegen der ausgetretenen Pfade darin, und weil man neue beschreiten will.

Kästen fliegen raus, weil man den Muff oder einst so frischen, doch schon abgestandenen Wind nicht rauskriegt, und weil vielleicht manch „Leiche" drinliegt. Dann geht man noch tüchtig mit Insektenspray durch oder holt gleich die Kammerjäger, wegen der vielen Wanzen.

Eigentlich wär's das Beste, das Kanzleramtsgebäude, das schon im 18. Jh. unter dem Namen Geheime Hofkanzlei als zentraler Wiener Schauplatz der Intrige, Heimtücke, Freunderlwirtschaft und Messerstecherei von hinten bekannt war, kurz und blümlig zu entkernen, neu aufzuführen und mit einem schönen Volksfest einzuweihen. Dazu kann man Bierlein trinken und noch einmal ganz von vorn anfangen. Wie 1945, als man noch miteinander konnte. Oder können musste. (wg)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2019)

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