Früher war alles . . .

Wie sich doch die Zeiten ändern! Leider.

Wie sich doch die Zeiten ändern! Leider.

Der Tiroler Diplomat Hans Knitel diente in den Siebzigerjahren im Auswärtigen Dienst, als ihn der sozialistische Kanzler (und SPÖ-Chef), Bruno Kreisky, für sein Büro anforderte. Der zarte Hinweis neidischer SPÖler, da handle es sich um einen Schwarzen, verfing bei Kreisky nicht. Im Gegenteil. Und der alte Tiroler Landeshauptmann Eduard Wallnöfer meinte zu Knitel: „Geh zum Kreisky, aber dass du ja ka Roter wirst!“ Knitel blieb schwarz und war ein hervorragender Diplomat und hochgelobter Verhandler. Loyal und höchst effizient.

Im Kanzleramt saßen schon vor Kreiskys Amtsantritt hochrangige Schwarze: Lukas (Graf) Beroldingen blieb natürlich Protokollchef, Herbert Neumayer blieb natürlich Sektionschef der Presseabteilung. Kreisky wusste sich der Sachkenntnis seiner „andersfarbigen“ Spitzenbeamten zu bedienen, er benötigte keine Ohrenbläser aus der eigenen Partei in seinem kleinen Beraterstab. Ab und zu versuchte es ein Blindgänger aus den Reihen der SPÖ, im Kanzleramt unterzukommen. Nach einem kurzen Hearing brummte der Alte: „Der ist ja eine hohle Nuss.“ Und der Fall war erledigt. Heute? Heute wird geschreddert, wenn ein andersfarbiger Behördenleiter kommt. Schrecklich. (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2019)

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