Manner-Schnitten

Irgendwie ist die Welt ungerecht. Da will die SPÖ ein Wahlkampf-Fairnessabkommen, und keiner rührt ein Ohrwaschel. Dabei haben wir p.t. Wähler nur beste Erfahrungen damit gemacht.

Erinnern Sie sich noch an den Hofburg-Wahlkampf 2004 zwischen Benita Ferrero-Waldner und Heinz Fischer? Als Schiedsrichter engagierte man den emeritierten VfGH-Präsidenten Adamovich. Und der hatte tatsächlich zwei schwerwiegende Verstöße gegen die guten Sitten zu untersuchen. Die böse ÖVP, so lautete die Beschwerde des braven SPÖ-Teams rund um Fischer, diese ÖVP also verteile Manner-Schnitten an die wehrlose Bevölkerung!!! Johannes Jarolim, damals wie heute Justizsprecher, war sich dafür nicht zu dumm. Während ganz Österreich noch lachte, schlug ÖVP-Anwalt Suppan zurück: Die SPÖ verteile doch glatt . . . Zuckerln. Das war natürlich eine heikle Pattstellung, die eines gewieften Juristen bedurfte. Mag sein, dass die weise Abwägung dieser Causa Professor Adamovich für die nächsten zwölf Jahre ein Beraterbüro in der Hofburg im Stockwerk über Heinz Fischer eintrug. Wie auch immer: Adamovich verkündete schmunzelnd sein Urteil unter großer Medienpräsenz: Für Süßigkeiten sei er nicht zuständig. Derartige Kabaretteinlagen könnten wir heuer dringend brauchen. Bitte, Herr Professor! (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2019)

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