Knoblauchschinken

Haben S' schon g'hört, Frau Mistlbacher“, sagt der Kaufmann Zangler hinter seiner Supermarkt-Kassa, „unsere ÖVP will jetzt das Bargeld in die Verfassung!“ – „In welche Verfassung denn?“

„Na, in die Bundesverfassung! Dass uns die net das Bargeld wegnehmen.“ Dazu sollte man wissen, dass Zangler Wirtschaftsbündler und NR-Kandidat (an hinterer Stelle) ist. „Wer will uns denn unser mühsam gespartes Bargeld wegnehmen?“ – „Naja, die...dings da halt, die Zentralbank, der Draghi, wissen S'. Jetzt kummt dann die Lagarde, a net besser.“ Zangler spielt sein Wissen gekonnt aus. Er hat das SMS aus Wien getreulich verinnerlicht. Dass ein identischer Antrag der FPÖ seit Ende Juni im Ausschuss liegt, weiß er nicht, er hält sich an seinen Verfassungssprecher Gerstl aus Hietzing: „Die neue Bundesregierung soll eine Verfassungsbestimmung ausarbeiten, die die Grundrechte der Bürger schützt und europarechtskonform ist“, deklamiert Zangler, während er mechanisch zehn Deka Knoblauchschinken schneidet. „Mhm“, kommentiert die alte Frau Mistlbacher, „und haben mir da was mitzureden, wenn die da oben was anderes bestimmen?“ – „Net wirklich, liebe Frau“, Zangler wickelt den Schinken säuberlich ein. „Aber Sie wissen ja“, verschwörerisch träufelt er sein Wissen ins Ohr der Kundin, „Wahlkampf is'...“ (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2019)

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