Weltranglistenmanie

Wenn Magazinmachern nichts Aktuelles einfällt, so machen sie ein „Ranking“, eine Rangliste: die 500 hellsten Köpfe; die 75 miesesten Universitäten; oder die 15 ärgsten Krawallmacher, usw.

 Das US-Magazin „Time“ kürt in der aktuellsten Ausgabe „The World's 100 Greatest Places“, also die 100 großartigsten Plätze der Welt. Die Auswahl ist sehr ungewöhnlich, sehr kauzig, sehr bizarr – also sehr amerikanisch ausgefallen. Okay, ein paar Plätze wie die „Blaue Lagune“ bei Reykjavík kennt man natürlich, aber was bitte hat da der „All Square“ Sandwich Shop in Minneapolis zu suchen? Und warum werden da gleich sechs Kreuzfahrten angepriesen? Um Weltmeere und große Flüsse noch mehr zu verdrecken?

Immerhin, auch die Schweiz (mit einem Museum) und Liechtenstein (mit einem Wanderpfad) kommen vor. Und Österreich? Seien wir nicht böse, wenn wir nicht aufscheinen. Wir wissen schon, wo wir unsere großartigsten Plätze haben, jedes Bundesland könnte gleich mehrere zur Weltrangliste beisteuern. Wie wär's, um ein Wiener Beispiel zu nennen, mit dem Franziskanerplatz, dem schönsten Platz der Innenstadt, mit dem Mosesbrunnen und dem Kleinen Café im Hintergrund? Jetzt, wo nach Jahren kein Kran mehr dort steht und alles frisch renoviert ist? Ja stimmt schon, ist auch subjektiv. Wie das Time-Ranking auch.

Reaktionen an: burkhard.bischof@diepresse.com
 
[PPGAT]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2019)

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