Ein Rockstar als Euroretter

Harald Waiglein hatte einst eine eigene Rockband – nun vertritt der ehemalige Journalist Österreich im ESM.

(c) [BMF]

Mit diesem Interview wurde Harald Waiglein weit über die heimische Journalistenszene hinaus bekannt: Man schrieb das Jahr 2004 und der Ö1-Wirtschaftsredakteur Waiglein befragte den damals amtierenden Finanzminister Karl-Heinz Grasser – sachlich und hartnäckig. Dem Journalisten ging es mehr um die Homepage-Affäre, während Grasser lieber über die Segnungen der Steuerreform sprechen wollte. Waiglein blieb hart und fragte mehrmals nach. Bis es Grasser reichte. „Na gut, dann lass' ma das Interview“, murmelte er, stand auf und ging. Das Finanzministerium verweigerte die Freigabe des Interviews. Waiglein brachte es dennoch.

Als der gebürtiger Wiener, der Jus und Dolmetsch (Englisch, Portugiesisch) studierte, 2008 die Seiten wechselte und ins Finanzministerium ging, war Grasser Geschichte. Willi Molterer war sein erster Minister, dann folgte Josef Pröll und nun ist es Maria Fekter. Seinem Metier blieb der liberal gesinnte Waiglein, der kein Parteibuch besitzt, jedoch treu: Als Pressesprecher und Kommunikationschef war er für die Außenwirkung des Finanzressorts zuständig. Das war nicht immer eine leichte Aufgabe – er erledigte sie aber mit Sachkenntnis und Verlässlichkeit, was ihm im Ressort und bei den Medien große Anerkennung brachte.

Fekter verhalf dem einstigen Rocksänger mit eigener Band („Bomb Circle“), der nach der ORF-Zeit das Wirtschaftsressort der „Wiener Zeitung“ führte, zu einem doppelten Karrieresprung: Im Juli übernahm Waiglein als neuer Sektionschef die Sektion III „Wirtschaftspolitik und Finanzmärkte“ im Finanzministerium. Jetzt schickt Fekter ihn als österreichischen Vertreter in das Direktorium des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Das bedeutet eine große Umstellung, unterliegt er in dieser Funktion doch einem strikten Schweigegebot. Vielleicht greift er zum Ausgleich wieder zur Gitarre. eid

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2012)

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