Ein Seniorchef für die „Kronen Zeitung“

Georg Wailand liebt den Wein und die Macht. Nun wird der langjährige Vize zweiter Chefredakteur der „Krone“.

(c) APA (Milenko Badzic)

Die „Reichen und die Superreichen“ haben ihn schon früh interessiert. 1976 schrieb Georg Wailand ein Buch mit diesem Titel über die Vermögen von Udo Jürgens, Niki Lauda und Karl Schwarzenberg. Wailand war da schon sechs Jahre Redakteur der „Kronen Zeitung“ und seit einiger Zeit Wirtschaftschef des Blattes.

Dem Herausgeber Hans Dichand blieb er bis zu dessen Tod 2010 ein loyaler Begleiter, auch wenn es Wailand immer wieder hinauszog aus der „Krone“-Redaktion in der Muthgasse. Etwa, als er 1982 mit dem „Trend“-Kollegen Georg Waldstein das Wirtschaftsmagazin „Gewinn“ gründete, einen eigenen Weinbaubetrieb am Wiener Kahlenberg aufbaute oder in dem einen oder anderen Aufsichtsrat eines Unternehmens Platz nahm. Nur kurz war das Gastspiel im Aufsichtsrat des Flughafens, deutlich länger jenes beim später pleitegegangenen Libro. Seine Doppelfunktion als Wirtschaftsjournalist einer Tageszeitung und Aufsichtsrat diverser Firmen brachte ihm massive Kritik ein, die er stets zurückwies. Unvereinbar wäre die Tätigkeit nur dann, „wenn es jemand strategisch anlegt und in 15 Aufsichtsräten sitzt“, sagte er 2002 dem „Profil“. Seine Kritiker waren sich dabei nie einig, ob Wailand „ein guter Journalist“, „ ein Aktienspekulant“ oder „als Journalist eine Katastrophe“ sei. Zuletzt wurde auch die Kritik wieder leiser, dabei sitzt der heute 66-Jährige immer noch im Aufsichtsrat der Constantia Industries AG.

Nach 21 Jahren als Vizechef steigt Wailand, der sich längst zu den einst von ihm beschriebenen „Reichen“ zählen kann, nun zum Chefredakteur der „Krone“ auf. Er ist Wunschkandidat der „WAZ“ („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“), die als Hälfteeigentümerin des Blattes einen eigenen Redaktionsleiter bestimmen darf und sich für den „Krone“-Senior Wailand entschied. Der andere Eigentümer, die Familie Dichand, schweigt bisher zu dieser jüngsten Personalbestellung. 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2012)

Kommentar zu Artikel:

Ein Seniorchef für die „Kronen Zeitung“

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen