Portrait: Der Held mit dem Cowboyhut

Carlos Arredondo, Immigrant aus Costa Rica, verkörpert uramerikanische Tugenden.

Carlos Arredondo
Carlos Arredondo
Carlos Arredondo – (C) YouTube Screenshot

Das Sternenbanner, das er wie ein Symbol vor sich her trug, war blutverschmiert. Carlos Arredondo zögerte nicht, als ringsum im Zielareal des Boston-Marathons das Chaos ausbrach. Während die meisten die Flucht ergriffen, kletterte der 52-Jährige über die Barrikaden, um Erste Hilfe zu leisten. Er bahnte Schwerverletzten im Rollstuhl den Weg – wie dem 27-jährigen Jeff Baumann, der beide Unterschenkel verlor.

Der Immigrant aus Costa Rica mit dem Cowboyhut und den ölig-schwarzen Strähnen avancierte mit todesmutigem Einsatz in den Minuten des Grauens zum uramerikanischen Helden. Arredondo kennt Schmerz und Verlust aus eigener Anschauung.

Als ihm Marines 2004 zu seinem 44. Geburtstag die Nachricht vom Tod seines Sohns Alex im Irak-Krieg überbrachten, rastete er aus. Er übergoss sich mit Benzin und steckte sich in Brand. Er überlebte mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades, nach zehnmonatigem Spitalsaufenthalt mutierte er zum Friedensaktivisten, der mit einem Pick-up durch die Lande zog. Kurz vor Weihnachten 2011 traf ihn erneut ein Schicksalsschlag: Sein jüngerer Sohn Brian verübte Selbstmord. 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2013)

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