„Gucci-Helle“ schreibt Geschichte

Helle Thorning-Schmidt ist Dänemarks erste Regierungschefin.

(c) AP (Jens Dresling)

Für sozialdemokratische Parteichefs gibt es in Skandinavien nur ein Erfolgskriterium: die Regierungsmacht. So wusste Helle Thorning-Schmidt, dass die Wahlen vor zwei Wochen ihre letzte Chance waren. Entweder sie eroberte das „Staatsministerium“, wie die Dänen das Kanzleramt nennen, oder sie musste sich einen neuen Job suchen. Am Montag stand sie nun strahlend vor Schloss Amalienborg, wo ihr Königin Margrethe zu ihrem Auftrag gratulierte, und winkte den jubelnden Anhängern zu. Thorning-Schmidt bringt die Sozialdemokraten nach zehn Jahren Opposition zurück an die Macht, als erste Frau an der Spitze einer dänischen Regierung. Und das trotz der Tatsache, dass ihre Partei unter die 25-Prozent-Marke rutschte – das schlechteste Ergebnis seit hundert Jahren.

Ihre Vorliebe für exquisite Taschen hat der 44-Jährigen den Spottnamen „Gucci-Helle“ eingebracht – doch hinter dem eleganten Äußeren verbirgt sich eine Kämpfernatur. Das Scheidungskind, aufgewachsen in einer Kopenhagener Betonsiedlung, das sein Taschengeld im Supermarkt verdiente, hat sich nach oben gearbeitet. Nach Studien in Kopenhagen und Brügge war sie erst Sekretariatschefin im Europaparlament, dann dort Abgeordnete, kam 2005 erstmals ins dänische Parlament und war wenige Wochen später Parteichefin. Sechs Jahre später hat sie ihr damals gegebenes Versprechen, die Sozialdemokraten zurück an die Macht zu bringen, eingelöst.

Verheiratet ist sie mit Stephen Kinnock, dem Sohn des ehemaligen Labour-Chefs, gemeinsam haben sie zwei Töchter. Dass sie Englisch und Französisch spricht, wird ihr helfen, wenn Dänemark zum Jahreswechsel die EU-Präsidentschaft übernimmt. gam

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2011)

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