„Herzenswiener“ als Musikschulchef

Ex-Spiegel-Journalist und „Herzenswiener“ Jürgen Kremb ist Ideengeber für die Musikschule Amadeus. Großes Potenzial sieht er in musikbegeisterten Chinesen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Das Angebot kam dann doch etwas überraschend. Jahrelang hat Jürgen Kremb als Korrespondent des deutschen Magazins „Spiegel“ von seinem „Stützpunkt“ Singapur aus viele Länder Asiens, bereist, hat – manchmal unter Lebensgefahr – zahlreiche Berichte und Reportagen gemacht. Und dann gab es 2002 die Chance, als „Spiegel“-Korrespondent nach Wien zu gehen. „Seither bin ich Herzenswiener“, erzählt der heute 54-jährige Kremb der „Presse“.

Und in Wien entstand auch die Idee für ein internationales Musikgymnasium. Auslöser war die Klavierlehrerin. Eine Koreanerin. Sie kam nach Wien um hier europäische Kultur kennenzulernen und hatte das Ziel, eine große Musikerin zu werden. „Viele Ostasiaten machen das, und sie geben in ihrem Land dafür die Schulbildung auf“, meint Kremb. Die Idee eines internationalen Gymnasiums mit voller Schulausbildung und mit Schwerpunkt Musik war geboren. „Und wo sonst als in Wien.“

In Singapur, wo die Familie Kremb auch einen Wohnsitz hat, trug er die Idee „einigen Mitstreitern“ vor, und langsam – nachdem auch Investoren aufgesprungen waren – wuchs sich das Ganze zu einem Großprojekt aus. Kremb hatte in der Zwischenzeit den Job an den Nagel gehängt. „Es war der Moment erreicht, in dem Journalismus nicht mehr so viel Spaß gemacht hat.“ Die Idee für ein asiatisch-europäisches Musikgymnasiums wurde zu einem Fulltime-Job.

Mittlerweile ist das Projekt gut auf Schiene, mit der Stadt Wien wurde ein Abkommen über den Standort gefunden (die ehemalige Schwesternschule der Semmelweisklinik in Währing), und Kremb ist formell Direktor der „Amadeus – International School of Music Vienna“ genannten Einrichtung. Und die wird – wie berichtet – schon diesen Herbst ihren Betrieb aufnehmen. „Ich bin nur der Ideengeber, sozusagen der Außenminister der Schule“, sagt Kremb, von Musik verstehe er nicht so viel, obwohl er seine journalistische Karriere als Musikkritiker begonnen und früher auch Saxophon gespielt hat – „aber eher nicht so gut“.

 

Studium in Taiwan

Eine Lebensaufgabe sieht er darin, Brücken zwischen Europa und Asien zu schlagen. Seine Liebe zu Asien hat Kremb schon früh entdeckt: Er hat ostasiatische Geschichte in Berlin studiert und beim Studium in Taiwan seine Frau, eine Chinesin, kennengelernt. Er hat dadurch auch tiefe Einblicke in die ostasiatische Mentalität und spricht fließend Mandarin. In China ortet er viel Potenzial für sein Schulprojekt in Wien. „Es gibt eine große Begeisterung in Asien, besonders in China, für klassische Musik.“ Immer mehr wohlhabende Eltern wollen ihren Kindern guten kreativen Unterricht im Westen bieten.

Apropos China: Die Unterrichtssprache an der Schule ist Englisch. Zugleich wird aber auch Chinesisch gelehrt. Das soll ein Angebot auch an hiesige talentierte Schüler sein. Angesichts der immer größer werdenden Bedeutung Chinas sei es wichtig, Chinesisch zu lernen. „Was wir nicht wollen, ist ein asiatisches Ghetto“, sagt Kremb. Und er wird nicht müde zu betonen, dass die Amadeus-Schule keine reine Musikschule ist. „Wir bieten hier einen internationalen Bildungsabschluss (IB) mit kreativ orientierter Erziehung an.“

Mit der Bezeichnung „Eliteschule“ ist der Amadeus-Direktor nicht besonders glücklich. „Elite hat in Europa einen leicht negativen Beigeschmack – ganz im Gegensatz zu Asien, wo dies positiv gesehen wird.“ Daher spricht Kremb lieber von der „Schaffung von Exzellenz“.

Und was meint er zum hohen Schulgeld? In anderen Privatschulen müsse man das auch zahlen – wenn nicht mehr. „Und eine gute Schule kostet eben etwas. Wenn ich einen Jackpot mache, schicke ich gern jedes begabte Kind auf der Welt nach Wien.“ Jedenfalls will Kremb erreichen, dass über Stipendien auch die nicht so wohlhabenden Schichten angesprochen werden.

Jetzt müsse die Schule einmal anlaufen und Marketing gemacht werden. „Es gibt viele Asiaten, die ihre Kinder auf Schulen in Großbritannien oder die USA schicken. Die müssen wir überzeugen, dass Wien der richtige Platz mit der richtigen Schule ist,“ sagt Kremb.

Auf einen Blick

In Wien Währing wird ab Herbst Amadeus, eine internationale Privatschule mit Musikschwerpunkt, starten. Die Idee dazu hatte Jürgen Kremb, der frühere Ostasien-Korrespondent des „Spiegel“, als er in Wien stationiert war. Schule und Internat werden in einem Pavillon der Semmelweisklinik untergebracht. Unterrichtet wird in Englisch und Chinesisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2012)

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