Der Anspruch der politisch Korrekten auf Deutungshoheit

Aus Hannah Arendts stolzem „Denken ohne Geländer“ ist ein angepasstes „Denken im Käfig“ geworden, in dem die Wahrheit erbärmlich verendet.

Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittag eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: „Ich suche die Wahrheit! Ich suche die Wahrheit!“ Da dort gerade viele von denen zusammenstanden, denen die Wahrheit schon lang entglitt, erregte er ein großes Gelächter. „Ist sie denn verloren gegangen?“, sagte der eine. „Hat sie sich verlaufen wie ein Kind?“, sagte der andere. „Oder hält sie sich versteckt? Fürchtet sie sich vor uns? Ist sie zu Schiff gegangen? Ausgewandert?“ – so schrien und lachten sie durcheinander.

Das ist drin:

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2016)

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