Die Kulturpolitik und das Prinzip Extrawurscht

Wurscht, wer sich bewirbt, man nimmt extra wen anderen: immer wieder ein Gscher, das mit den Besetzungen der Direktorenposten im Kulturbereich.

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Knatsch gab es zuletzt auch bei der Bestellung des Volkstheater-Direktors: 72 Bewerbungen gingen ein, darunter beispielsweise von Thomas Gratzer, der seit 2005 im Rabenhof-Theater a) Führungsqualitäten beweist und b) vorführt, wie cool, vielseitig, urban, erfolgreich und relevant für Besucher aller Alters- und Bildungsklassen heutiges Volkstheater sein kann. Wäre spannend gewesen, ihn an einem großen Haus werken zu lassen. Auch Paulus Manker reichte ein 50-seitiges Simultan-Bühnenkonzept ein. In der Wiener Neustädter Roigk-Halle zeigt er gerade Karl Kraus' „Die letzten Tage der Menschheit“ als siebenstündiges und vielstimmiges Stationentheater: Ein exzellentes Ensemble zelebriert ohne Mikroports und ohne Video-Spassettln das beklemmend aktuelle Weltuntergangsdrama, pro Vorstellung folgen 250 Menschen den Darstellern treppauf und -ab zu den verschiedenen Schauplätzen. 21 der 27 Vorführungen bis 1. September sind ausverkauft, nur für sechs gibt es noch Restkarten. Viele Besucher kommen mehrmals, viele von weit her.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2019)

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