Der Rapper und das Horst-Wessel-Lied, der Kapitalismus und die Juden

Im kollektiven Bewusstsein herrscht ein ziemliches Durcheinander. Und wir sind unfähig, präzise damit umzugehen: zwei seltsame Szenen der vergangenen Tage aus Österreich.

Erste Szene: die ORF-Show „Die Große Chance“. Als Nummer25 betritt ein älterer Mann mit Mundharmonika die Bühne und spielt ein Lied. Mitreißend ist es nicht. Ob er denn noch ein anderes könne, fragt Sido, der Juror. Der Mann ziert sich, quält sich schließlich etwas ab. Sido ist misstrauisch. Das war doch jetzt die gleiche Melodie noch mal, nur langsamer? Ein Musiker, der bloß ein einziges Lied beherrscht, wie gibt's denn das?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2011)

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