Was Frauen wollen sollen und worüber man nicht sprechen darf

Viel war zuletzt in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen von Frauenrechten die Rede. Dabei gab es leider auch viel Verlogenheit, Doppelmoral und Einseitigkeit.

Die #MeToo-Kampagne war ein Prototyp dafür, wie eine an sich gute Sache rasch in ihr Gegenteil verkehrt werden kann. Es war gut und notwendig, sexuelle Übergriffe öffentlich zu thematisieren, damit sie nicht mehr als Kavaliersdelikt gelten. Scharenweise traten etwa US-Schauspielerinnen in Schwarz auf, um die Missetaten anzuprangern, die ihnen und ihren Kolleginnen angetan wurden. Allerdings waren etliche unter ihnen, die nichts dabei finden, eine fremde Frau, oder besser deren Uterus, zu mieten, um ihr Kind austragen zu lassen. Es selbst zu tun könnte ja der Figur schaden.
Es ist zutiefst verlogen, Frauenrechte nur dann einzufordern, wenn es um das eigene Heil geht, sie sonst aber, wie im Fall der Leihmutterschaft, mit Füßen zu treten. Leihmutterschaft ist eine der schlimmsten Formen der Ausbeutung von Frauen. In Österreich hat sich kürzlich eine Initiative gegründet, die für ein weltweites Verbot der Leihmutterschaft eintritt.
Dröhnendes Schweigen herrscht bei vielen Frauenrechtlerinnen, wenn es um die systematische Frauenunterdrückung und -entrechtung in Afrika und in der islamischen Welt geht, die sich mittlerweile auch in Europa bemerkbar macht. Wo bleibt die Solidarität mit Opfern von Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Kinderehe und Zwangsverschleierung? Hierzulande richtet sich die Empörung etlicher Feministinnen nicht dagegen, sondern gegen Frauen, die dagegen auftreten. So erntete die neue SP-Parteimanagerin in Wien von den eigenen Genossinnen Proteste, weil sie sich gegen die Verschleierung von Kindern aussprach.
Ähnlich doppelmoralisch verläuft die Debatte über die Abtreibung. Da wurden etwa im Frauenvolksbegehren das Recht auf Gratisverhütungsmittel und auf Gratisabtreibung in einem Atemzug genannt. Als ob dies dasselbe wäre. Und Abtreibung als „Recht“ zu betrachten, zeugt vom Verlust jeglicher Ethik, denn wo bleibt das Lebensrecht des Kindes?
Wo bleibt die Sensibilität für den seelischen Schaden, den Frauen dabei nehmen? Wo bleibt die Verantwortung der Männer und der Gesellschaft, damit Abtreibungen erst gar nicht als Lösung erscheinen? Wo bleibt schließlich das Recht der Ärzte, Hebammen und Krankenpfleger, die gezwungen wurden, Abtreibungen durchzuführen? Ach ja, in Österreich darf man über Abtreibung nicht diskutieren, das ist „fundamentalistisch“. Man darf nicht einmal die Zahlen wissen oder die Motive, um helfen zu können. Da lässt man die Frauen mit diesem schwerwiegenden Konflikt lieber allein.
Und ist es wirklich ein Fortschritt und eine Befreiung der Frauen, wenn sie durch ihre Arbeitgeber und die Politik dazu gedrängt werden, ihre Kinder möglichst bald nach der Geburt in Fremdbetreuung zu geben? Bekommen Eltern deshalb Kinder, damit sie diese möglichst selten im Wachzustand erleben? Oder müssen sie es nicht vielfach tun, weil sie sonst am Arbeitsplatz oder finanziell Schwierigkeiten bekommen?
Wo bleibt das Recht der Kinder? Wieso lässt man Eltern nicht die Zeit, die ersten kostbaren Jahre? Wieso hat die Politik immer mehr Hürden eingebaut, die es Eltern erschweren, ihre Kinder selbst zu betreuen?

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