Erwin Pröll, der Verführer!

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" widmet dem niederösterreichischen Ladeshauptmann fast eine ganze große Seite. Warum genau erfährt man nicht. Nicht so wichtig. Ein wahres Lesevergnügen - in Stil und Inhalt.

Ein ungewöhnlich großes Bild seines Gesicht in Licht und Schatten, Macht und Mysteriöses suggerierend, ein Artikel über gut Zweidrittel der nach wie vor überdimensionierten Zeitungsseite: Das alles widmet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung Sonntagszeitung"  dem niederösterreichischen Landeshauptmann ohne ersichtlichen aktuellem Grund, ohne Neuigkeitswert - außer vielleicht für den deutschen Konsumenten, der noch nie in den letzten 20 Jahren in Niederösterreich auf Urlaub war. Eine Sonntagslektüre nach Prölls Geschmack?
Der Grund für die Eloge im kritischen Licht wird bald klar: Die Schweizer freie Journalistin Yvonne Staat wehrt sich Zeile um Zeile tapfer gegen die Verführung zuerst von Prölls Mitarbeiter, dann von ihm selbst, um ihr schließlich am Ende doch zu erliegen: „Er lockt, man soll sich klein machen und unter diese Güte schlüpfen. Es wäre wahrscheinlich sehr angenehm."

Licht- und Schattenseiten (wie im Bild) des Erwin Pröll werden ausgeleuchtet: Er gibt Zuversicht und verlangt dafür Gehorsam, heißt es schon im Untertitel. Die Geschichte einer Verführung beginnt an einem Frühlingsabend im „Palais Niederösterreich". Yvonne Staat wird entdeckt - von einem Pröll-Begleiter: „Es dauert keine Minute, da hat Pröll die fremde Journalistin im Saal registriert. Mit einem Wink schickt er seinen Begleiter los". Was dann geschieht würde in den USA vielleicht schon unter Belästigung fallen und ist der Journalistin auch ganz offenkundig unangenehm: „...dann kommen die Hände an, eine legt sich zwischen ihre Schulterblätter, die andere auf die Hüfte. Sie soll Besitz markieren."

Was dann kommt erinnert stark an die Geschichten, die seinerzeit in Kanada über Karl Heinz Grassers Engagement bei „Magna", zuständig für Human Ressources, kursierten, als er von Frank Stronach losgeschickt wurde, um dem weiblichen Objekt des Interesses zuzuraunen: „Mein Vorstandsvorsitzender würde Sie gern kennen lernen." In Österreich läuft das so ab: „Sie sind die Journalistin? Ich werde den Landeshauptmann kurz zu Ihnen führen". Und später sie zum Landeshauptmann in St. Pölten.

Dass Pröll „als der mächtigste Mann in der Volkspartei gilt" ist der Autorin nicht entgangen. Dass dies der ÖVP seit 1994 nichts gebracht hat und sie heute bei 23.9 Prozent der Stimmen und 47 Mandaten steht, hat sie jedoch nicht bedacht und daher auch nicht die Frage aufgeworfen, wie segensreiche der „mächtigste Mann" der Bundes-ÖVP in seiner Partei nun tatsächlich agiert. Wenn ohne Pröll in der ÖVP nichts geht, warum geht es ihr dann nicht so schlecht?

Von Prölls öffentlichen Wutausbrüchen hat ihr offenbar auch niemand erzählt. Nicht von jenem, als er in den neunziger Jahren einen kritischen Pfarrer vor der Gemeinde niedermachte und auch nicht von jenem, bei dem er jüngst bei einem Empfang den ehemalige Leiter der Finanzmarktaufsicht und nunmehrigen Direktor der Nationalbank, Kurt Pribil, verbal bedrohte. Vielleicht hätte sie den „Standard" vom 11.Mai lesen sollen, in dem Eric Frey gestand: „Erwin Pröll macht mir Angst." Aber wie sagt Pröll immer wieder und auch im Titel der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"? „Und wer sich fürchtet, ist selbst schuld".

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