Fr. Eibel-Steiner schlägt zurück

TV-Spots? Sieht man doch nur, wenn die Fernbedienung kaputt ist!

Ich bin von einem Marktforschungsinstitut angerufen worden. Sie wissen schon: Das sind diese Typen, die sagen, sie möchten gerne fünf Minuten mit dir reden. Nur ein paar kurze Fragen! Und dann werden es dreißig lange Fragen und das ganze dauert eine halbe Stunde.

Ich habe trotzdem mit denen geredet. Ich schmeichle mir eben gerne damit, dass ich eine Menschenfreundin bin: Meine Güte, sage ich mir, die wollen ja auch nur ihre Miete bezahlen. Da kann man ruhig ein bisschen von seiner Zeit opfern! Vor allem, wenn man eh grad in der U-Bahn feststeckt und nichts Besseres zu tun hat.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite von mir ist weniger nett, es ist ein bisschen wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde: Wobei mein Mr. Hyde immer dann zum Vorschein kommt, wenn ein Telefonkeiler mich dauernd mit „Frau Eibel-Steiner“ anredet, nur weil er irgendwo gehört hat, das klinge verbindlich. „Sagen Sie, Frau Eibel-Steiner, kennen Sie unser Produkt?“, „Frau Eibel-Steiner, wollen Sie Ihren Kindern einen guten Start ermöglichen?“ „Aber Frau Eibel-Steiner, wenn Sie es sich überlegen: Darf ich Sie, Frau Eibel-Steiner, dann wieder anrufen?“

Dann werde ich gemein – und weil einfach auflegen nicht gemein genug ist, lasse ich mich in ein Gespräch verwickeln, in ein gaaaanz laaaanges Gespräch über Wohnungsbrände und den Trend zu Chinesischkursen für Dreijährige, und wenn er glaubt, er habe mich an der Angel, sage ich: „Das war aber ein nettes Gespräch. Leider muss ich jetzt weiterarbeiten.“ Und dann erst lege ich auf.

Aber zurück zum Marktforschungsinstitut. Die wollten wissen, ob ich mich an folgende TV-Spots erinnern kann: Ein Mann sitzt missmutig in einer Bar, lutscht ein Bonbon, findet sich zwischen Pinguinen und Eisschollen wieder, lächelt. Eine Frau steht müde im Bus, lutscht ein Hustenzuckerl, plötzlich ist da das karibische Meer, sie lächelt. Eine Frau sitzt in einer Konferenz, lutscht ein Bonbon?

Keine Ahnung, habe ich gesagt. Wer sieht heute noch Werbung? Doch nur einer, dessen Fernbedienung kaputt ist! TV-Spots sind rausgeschmissenes Geld. Inserate in Tageszeitungen dagegen, die schaut man sich wirklich an. „Richten Sie das doch Ihrem Auftraggeber aus!“

Vielleicht steht mir ja noch eine Karriere als Keiler offen.


bettina.eibel-steiner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2007)

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