Kein bürgerlicher Haushalt

Bei uns im Schrank stehen ein Häferl mit dem Steffl drauf, eine Tasse aus dem Service meiner Großmama und ein „Friends“-Becher, der fast ein Weihnachtsfest ruiniert hätte.

Die Häferl sind eine bunte Mischung.
Die Häferl sind eine bunte Mischung.
Die Häferl sind eine bunte Mischung. – (c) imago images / Westend61 (Maria Elena Pueyo Ruiz via www.imago-images.de)

Wir sind kein sehr bürgerlicher Haushalt. Also: Bürgerlich sind wir schon, wir sind verheiratet, haben zwei Kinder, eine Katze und ich arbeite für die „Presse“. Nur der Haushalt ist es eben nicht. In unserer Küche fehlt eine Brotschneidemaschine, wir trinken Wein aus dickwandigen Ikea-Gläsern, kaum eine Gabel passt zur anderen, und wenn man bei uns in der Küche steht, kann man sehen, wer in der Badewanne liegt, was praktisch war, als die Kinder klein waren. Und jetzt unpraktisch ist, wenn sie Übernachtungsgäste haben.

Und wir trinken unseren Kaffee bzw. Tee aus Häferln, die sich im Lauf der Zeit so angesammelt haben. Es ist eine wilde Mischung, und nicht alle sind schön. Es gibt welche mit dem Logo einer Möbelfirma; ich will sie schon lang wegwerfen, aber ich habe Angst, dass mein Mann draufkommt. Er will nämlich, dass bei uns immer alles gleich bleibt. Und mit „alles“ meint er „alles“. Einen Becher hat Marlene im Kindergarten mit orangen und lila Bären bemalt. Die orangen und lila Bären sind längst verblichen, wir haben sie zu oft der Spülmaschine ausgesetzt, jetzt ist der Becher nur noch weiß. Aber: Wir wissen noch, wie er ausgesehen hat. Und Marlene ist alt genug, sich nicht zu grämen.


Smileys und Katzen. Den „Friends“-Becher hat Hannah Marlene zu Weihnachten geschenkt, aber Marlene hat sich nicht richtig darüber gefreut, also nicht so richtig richtig, und dann war Hannah traurig. Ein Becher ist von einem Kinder-Osterservice übrig geblieben, zwei sind aus der „Gregs-Tagebuch“-Phase, dann gibt's noch einen ultrakitschigen mit Rosen und dem Steffl drauf. Einen Katzenbecher. Einen Hundebecher. Und einen mit einem riesigen Smiley, der Tränensäcke hat.

Die älteste Tasse stammt aus dem Besitz meiner Großmama, sie ist in einem sehr bäuerlichen Stil gehalten, mit handbemalten rosa und braunen Blüten verziert und stand früher in ihrem Wochenendhäuschen in der Wildschönau, wo es Feuersalamander gab, einen Brunnen, in dem man pritscheln konnte, und halb zahme Wespen, die uns beim Frühstück auf der Terrasse umschwirrten und uns niemals stachen. Gäste aber schon. Den Rest des Services habe ich im Keller verstaut, aber diese eine Tasse wollte ich bei mir in der Nähe haben.

Die jüngste Tasse ziert der Spruch: „Die Realität ist etwas für Menschen, die Angst vor Einhörnern haben“. Ich habe sie vorgestern in der Geschirrspülmaschine entdeckt, ich frage mich, wer sie ins Haus gebracht hat und tippe auf Marlene: Sie mag Einhörner und Sprüche und staubt gern T-Shirts von Freunden ab. Neuerdings offenbar auch Tassen.

Was schwierig werden könnte. Viel Platz ist jedenfalls nicht mehr im Küchenschrank.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

www.diepresse.com/amherd

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2019)

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