Neuer Opel Astra: Am Image wird noch gearbeitet

Mit dem neuen Astra soll Opel wieder Gewinne schreiben – erste Eindrücke des ewigen Golf-Konkurrenten.

Die elfte Generation rollt auf die Straße: Opel Astra.
Die elfte Generation rollt auf die Straße: Opel Astra.
Die elfte Generation rollt auf die Straße: Opel Astra. – (c) Werk

Manche sagen: Hätte Magna im Jahr 2009 Opel übernommen, wären wir um Frank Stronach in der Politik umgefallen. Am Unterhaltungswert des Konzerngründers und Neo-Politikers kann schließlich kaum ein Zweifel bestehen.

Fest steht jedenfalls, dass der traditionsreiche Autohersteller vor sechs Jahren am Boden lag, ein Übernahmekandidat, für den die Interessenten (darunter am aussichtsreichsten eben der Kfz-Zulieferer Magna) auch noch staatliche Überbrückungskredite sehen wollten. Die soeben unter Insolvenzrecht (Chapter 11) geschlüpfte US-Konzernmutter General Motors einigte sich im August 2009 mit Magna auf einen Vertrag zur Übernahme von Opel.

Zu der kam es dann doch nicht, bekanntlich verblieb Opel bei GM, trotz heftigster Verluste in Europa, die die Amerikaner nebst den eigenen zu schlucken hatten. Und es dürfte keine Fehlentscheidung gewesen sein.

 

Gesenkte Daumen

Die noch größere Überraschung als der damals abgeblasene Deal könnte der Umstand sein, dass Opel schon im nächsten Jahr in die Gewinnzone zurückkehrt. Die Anzeichen deuten darauf hin.

So hat es der zwischen Deutschen und Amerikanern ausgearbeitete Sanierungsplan freilich auch vorgesehen, doch wer hätte wirklich gedacht, dass der von Negativschlagzeilen umtoste Hersteller absehbar auf die Beine kommen würde? Nicht wenige Branchenexperten senkten den Daumen über Opel, und eine eherne Marketingregel besagt: Es braucht nur ein Jahr, um ein Image zu ruinieren, aber zehn Jahre, es wieder aufzubauen.

Wenn es der Klang der Marke nicht ist, muss es also mit den Autos zu tun haben.

Mit dem Astra steht nun die wichtigste Baureihe der Marke vor der Erneuerung: Ende des Jahres startet die elfte Generation des kompakten Golf-Konkurrenten. 1991 eingeführt, wurden über 24 Mio. Stück vom Astra abgesetzt, und 2014, im üblicherweise schon schwächelnden Spätherbst des Lebenszyklus, wurde noch 230.000 Exemplare in Europa verkauft.

In Wien wurde der neue Astra nun gezeigt, vorab zur Präsentation bei der Frankfurt Automobilausstellung (IAA) Anfang September.

 

Kürzer, aber mehr Platz

Wir sehen ein etwas verkürztes, schlanker als der Vorgänger wirkendes Modell, ein dynamisches, nicht zuletzt in Details ansprechendes Design – fast möchte man boshaft anmerken: mit dem Opel-Logo als einziger optischer Schwachstelle.

Tatsächlich habe man den Astra „zurück ins Segment geholt“, wie der Designer erläutert, mit knapp fünf Zentimetern weniger in der Länge (Gesamtlänge neu: 4370 mm) und 2,6 cm weniger in der Höhe. Obwohl auch der Radstand etwas zurückging, weise der Innenraum mehr Platz als zuvor auf: Im Fond böten sich Passagieren doch deutlich spürbare 3,5 Zentimeter mehr Fußraum.

Dazu tragen auch neu konstruierte Sitze bei, dies ist mittlerweile eine Kernkompetenz des Herstellers. Opels Gestühl mit AGR-Zertifikat (Aktion Gesunder Rücken) weist anerkanntermaßen über die Klasse hinaus, im neuen Astra beherrschen die Sitze (optional) auch Klimatisierung und eine Massagefunktion.

Neu gestaltet wurde neben der A-Säule, die die Sicht nun weniger einschränkt (mit den Spiegeln nunmehr auf der Türschulter montiert), auch die C-Säule, die ein schwebendes Dach suggerieren soll – ein hübsches Styling-Detail, das dem Auto in jedem Fall den Eindruck von Leichtigkeit verschafft, wie auch die vielen konkaven Flächen.

Der soll nicht nur optisch sein, betont der Hersteller, je nach Variante wurden bis zu 200 kg, mindestens aber 120 kg Gewicht eingespart. Das sollte neben der Effizienz auch spürbar die Agilität befördern. Zumal keine großen Motoren auf der Vorderachse lasten: Der maximale Hubraum beträgt nun 1,6 Liter. Dem sauberen Benzinmotor bricht Opel mit einem 1,0-Liter-Turbo eine Lanze – der Dreizylinder schafft bei einer Leistung von 105 PS einen CO2-Wert von 96 Gramm pro km (laut Norm), sehr nahe der Dieselversion (1.6 CDTI, 110 PS) mit 90 Gramm/km.

Dem Wunsch nach Vernetzung sollen die Bordsysteme von sowohl Apple als auch Google Rechnung tragen, optionale LED-Scheinwerfer gehören dabei fast schon zum guten Ton. Marktstart des neuen Astra in Österreich: November.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2015)

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