Etwas mehr Hubraum für viel Wohnraum

Fahrbericht. Den Renault Espace gibt es jetzt mit einem neuen Benzinmotor, der seiner Aufgabe rundum gewachsen ist. Was wir aber eigentlich lernen: Vans sind immer noch die klügsten Autos, wenn Platz gefragt ist.

 Renault Espace
 Renault Espace
Renault Espace – Die Presse

Van darf man ja gar nicht mehr sagen. Auch der Espace – Urvater der Gattung des Monospace, sprich Großraumvans – will heute mindestens als Crossover gelten, um am SUV-Hype mitzunaschen.

Dabei sollte er das gar nicht notwendig haben. SUVs sind beim Packaging – der Anordnung von Antriebskomponenten und Passagierraum – in jeder Hinsicht die schlechtere Lösung. Das führt dazu, dass etwa der gute alte Golf die besseren Platzverhältnisse bietet als ein sogenanntes Kompakt-SUV, das ihn auf der Straße (und natürlich auf der Waage) ganz deutlich überragt. Wir wollen es nur erwähnt haben.

Der Bauart sei Dank kann der Espace seine praktischen Anlagen für größtmögliche Raumausnutzung auch als mit SUV-Elementen verzierter Crossover nicht verbergen. Das liegt am vergleichsweise kurzen Vorderwagen, der ohne aufragenden Einschüchterungskühlergrill den Motor beherbergt, und dem kastenförmigen Passagierraum dahinter.

Dort gehen sich drei Sitzreihen auf völlig ebener, unverstellter Grundfläche aus. Standardmäßig kommt der Espace als Fünfsitzer mit einem Gepäckabteil, in dem sich auch eine kleine Kartenrunde versammeln könnte. Mit ein paar Handgriffen sind auch die Sitze der zweiten Reihe aus ihrer Verankerung geklinkt und lassen sich aus dem Auto tragen, dann hat man einen Transporter oder eine Schlafstatt für Notfälle.

 

Kürzer als ein Kombi

Die Luftigkeit im Inneren war immer typisches Espace-Merkmal, sie ist auch in fünfter Generation erhalten geblieben, wobei sich die Aussicht dank leicht angehobener Karosserie verbessert hat.

Mit klar unter 4,9 Metern Länge ist der Espace dabei deutlich kürzer als ein 5er Kombi, der hohe innere Nutzwert ist also ohne übermäßige Ausdehnung zu haben.

Größere Motoren wie in einem 5er-BMW werden im Espace freilich schon länger nicht mehr beherbergt. Die Sechszylinder wurden schon beim Vorgänger ausgemustert.

Was speziell in Anbetracht des neuen, annähernd gleich starken Vierzylinderbenziners kein Schaden ist. Der Turbomotor mit 1,8 Litern Hubraum und 225 PS löst den 200 PS starken 1,6-Liter-Motor ab und mobilisiert den Renault auch für Expressetappen. Darüber hinaus gibt es noch einen 1,6-Liter-Diesel in zwei Leistungsstufen mit 130 und 160 PS.

Die neue Maschine adelt, dass sie auch in der Alpine (dort mit 252 PS) und im neuen Mégane RS (280 PS) Dienst versieht. Ein feines Allzweckaggregat der gehobenen Leistungsklasse, das wir noch anderswo bei der Marke und in der Allianz sehen werden. Weniger Spitzenleistung als Laufkultur, Wirtschaftlichkeit und Durchzug sind im Espace das Thema. Auf der Langstrecke waren wir dauerhaft mit 7,7 Litern im Schnitt unterwegs, je nach Stadtanteil wandert der Wert nach oben. Ein annehmbares Ergebnis gemessen an der Größe des Autos, das mit nur knapp über 1,6 Tonnen auch kein schweres ist. Die Siebengangautomatik ist da berücksichtigt, sie verträgt sich mit der Kraftentfaltung des Motors ausgezeichnet.

 

Hinterräder lenken mit

Dazu glänzt der Espace auch im Fahrverhalten, wesentlich der Hinterachslenkung 4Control geschuldet. In Executive-Ausstattung, der zweithöchsten, kostet sie 2310 Euro Aufpreis und ist dringend zu empfehlen. Sie erleichtert alle Arten des Rangierens ganz erheblich, weil sie bei niedrigem Tempo durch gegenläufiges Einschlagen der Hinterräder gefühlt den Radstand verkürzt, konkret den Wendekreis, um fast einen Meter. Man merkt die Hinterachslenkung auch daran, dass man generell weniger Lenkeinschlag benötigt – das kann man eventuell als nervöse Lenkung empfinden, bis man sich darauf eingestellt hat. Insgesamt ein klarer Komfortgewinn.

Nun zu Dingen, die wir am Espace (unverändert) nicht so toll finden. Die Ausführung des irgendwie interessant gestylten Automatikwahlhebels ist billig geraten, das Ding knarzt, wirkt neu schon ausgeleiert und lässt sich zwischen D, N und R nicht präzise führen. Das gesamte Klangdesign, willkommen bei Renault!, gehört dringend einer Revision unterzogen: Blinkerton, Warn- und Hinweissignale – das kann einem den sonst sehr angenehmen Aufenthalt an Bord verdrießen. Schließlich eine für uns unerklärliche Lieblosigkeit: Konnte man für die eingespielten Hinweistexte keine Übersetzer gewinnen? Das Stummeldeutsch – „Geschwin.unguelt“ – ist eine Zumutung. Und wenn wir dabei sind: Tempomat erst ab 50 km/h einstellbar – wo gibt's denn so was noch?

RENAULT ESPACE TCE 225

Maße: L/B/H: 4857/1914/1677 mm, Radstand: 2884 mm, Leergewicht: 1610 kg, Ladevolumen: 680–2101 Liter.
Motor: R4-Zylinder-Otto-Turbo, 1798 ccm, Leistung: max. 165 kW (225 PS) bei 5600/min, Drehmoment: max. 300 Nm bei 1750/min, Vmax: 224 km/h, 0–100 km/h in 7,6 sec, Testverbrauch: 7,9 l/100 km, Frontantrieb, Siebengang-DK-Automatik.

Preis: ab 46.650 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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