Forstgerät, das neuerdings auf die Überholspur drängt

Im Zuge des SUV-Booms sind auch Pick-ups unwiderstehlich geworden – mit dem Ford Ranger als Marktführer hierzulande und dem Sondermodell Wildtrak Predator als Obermacho.

Zweieinhalb Quadratmeter Spielwiese: Ford Ranger Wildtrak Predator.
Zweieinhalb Quadratmeter Spielwiese: Ford Ranger Wildtrak Predator.
Zweieinhalb Quadratmeter Spielwiese: Ford Ranger Wildtrak Predator. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Dass die Riege der hemdsärmeligen Pick-ups nicht mehr nur im Forst und nahe von Schottergruben anzutreffen ist, sollte sich schon herumgesprochen haben – in der Bugwelle der SUV-Begeisterung boomt auch diese Gattung, unübersehbar selbst in städtischen Gefilden. Die Ladeflächen präsentieren sich dort in aller Regel als ungenutzt.

Im Fall des Ford Ranger hätte man (mit Doppelkabine für die Passagiere) eine Spielfläche von zweieinhalb Quadratmetern zur Verfügung. Belastbar ist sie mit einer knappen Tonne Nutzlast – nicht übermäßig viel hat unser Testexemplar da zu bieten.

Dieses hat als Sondermodell Wildtrak Predator allerdings schon im Motorraum kräftig geladen. Dort arbeitet ein Fünfzylinder-Diesel mit 3,2 Liter Hubraum – unüberhörbar, muss man hinzufügen, was im rustikalen Gesamtbild freilich nicht unbotmäßig heraussticht.

 

Raubtier

Stattliche 2,3 Tonnen bringt dieses Urviech ohne jede Zuladung auf die Waage, da greift man gern auf ein kräftiges Aggregat zurück – hier mit 200 PS Spitzenleistung und maximal 470 Newtonmeter. Insofern können auch Pick-ups auf die Überholspur drängen, womöglich will der bis 175 km/h schnelle Predator (= Raubtier) auf diese Weise seinem Namen gerecht werden.

Diese in unseren Breiten eher neue Entwicklung hat zweifellos Volkswagen angestoßen, seitdem man den Amarok ausschließlich mit V6-Diesel ausrüstet. Der Ranger hat hingegen noch einen Vierzylinder-Diesel mit 130 und 160 PS als Alternative im Programm – wohl auch ein Grund, warum der Ranger im Vorjahr zur Nummer eins des Segments aufstieg.

Gekoppelt ist der Motor an eine Sechsgangautomatik, die in den niederen Gängen sehr kurz übersetzt ist, entsprechend stürmt der Ranger schon auf einen leichten Tipper am Gaspedal los.

Angetrieben ist die Hinterachse, erst im Bedarfsfall wird man zwischen den beiden Allradoptionen manuell auswählen – es gibt eine Variante mit Untersetzungsgetriebe für schwieriges Gelände und eine ohne für den Forstweg oder die verschneite Bergstraße.

Die einstigen Arbeitstiere sind auch im Innern nicht wiederzuerkennen: Pkw-Komfort empfängt einen hier allenthalben. Zumal das ohne Steuern ab 41.610 Euro teure Sondermodell Predator alles an Bord versammelt hat, was man auch in einem gut ausgestatteten Focus erwarten würde. Unverzichtbar: die Rückfahrkamera, die vom Geschehen in diesem uneinsehbaren Bereich berichtet.

Wesentlich geht es aber ums Styling, das die machohafte Attitüde des Autos noch betont – genannt seien die verbreiterten Radkästen und der „Raptor“-Kühlergrill, auf dem die Lettern des Herstellers dreidimensional prangen.

Der Verbrauch ist mit 8,8 Litern/100 km angegeben, realistisch sind ab zehn Liter, da führt man aber eine leere Ladefläche spazieren. Geschützt ist diese per „Roller Shutter“ – eine liegendes Rolltor, hemdsärmelig zu bedienen. (tiv)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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