BMW G 310 R: Die quirlige Kleine mit deutsch-indischen Eltern

Die BMW G 310 R ist so gar nicht markentypisch, sucht noch ihre Nische und hofft auf urbane Fahrer. Und Einsteiger.

Fahren wie die Feuerwehr: Die 310-er-BMW und der Autor dieses Berichts.
Fahren wie die Feuerwehr: Die 310-er-BMW und der Autor dieses Berichts.
Fahren wie die Feuerwehr: Die 310-er-BMW und der Autor dieses Berichts. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Selten, aber doch kommt es vor, dass sogar die Jubel-, pardon PR-Texte der Hersteller untertreiben: So heißt es in jenem zur BMW G 310 R: „Von Grund auf neu konzipiert, repräsentiert die G 310 R alles, wofür BMW Motorrad steht [. . .].“ Na ja, nicht wirklich alles, aber einiges.

Der flüssigkeitsgekühlte Einzylindermotor mit seinen 313 Kubikzentimetern schlägt sich in seinem Segment wacker. Und damit ist die als Roadster vermarktete G 310 R schon einmal auf der sicheren Seite. Für alteingefahrene BMW-Hedonisten wirkt die (relativ) neue Kleine aber wohl eher wie ein exotisches Geschöpf – nicht wie ein urtypisches Pferd im Stall.

Aber das macht nichts. Wir reden ja hier von neuen Konzepten. Und diese beginnen bei dem gern in Schwarz (Cosmic Black) daherkommenden Bike schon mit der Geburt (ja, auch Blau-Metallic oder Weiß-Metallic gibt es). Die kleine BMW mit ihren 34 PS (25kW) bei 9500 Umdrehungen (maximales Drehmoment: 28 Newtonmeter bei 7500 Umdrehungen) hat nämlich deutsch-indische Eltern. Und damit ist sie die erste ihrer Art.

Entwickelt wurde sie von BMW Motorrad in München. Gebaut wird sie in der südindischen (für seine Computerindustrie) bekannten Millionenmetropole Bangalore. Von der TVS Motor Company.

Diese hat seit 2013 einen Kooperationsvertrag mit BMW. Damit geht dieses Motorrad also nicht wie andere Modelle in Berlin-Spandau vom Band (wenngleich Techniker aus der deutschen Hauptstadt ihren indischen Kollegen spezielle Schulungen zukommen ließen). Mittlerweile wird auch ein anderes Unter-500-Kubikzentimeter-Modell, nämlich die G 310 GS, in Indien gefertigt.

 

Viel schalten, dann staunen

Aber zurück zur 310 R. Wie fährt sich diese nun? Das zügige Fortkommen von der Ampel funktioniert, wenn man in rascher Abfolge (mittels der gewöhnungsbedürftigen, weil spät greifenden Kupplung) nach oben schaltet. Ist man im dritten, vierten Gang, ist man dabei. Vom Sound des mit einem Sechsganggetriebe ausgestatteten Zweirads darf man sich allerdings nicht zu viel Sattheit erwarten. Positiv: Die 310-er ist mit ihrem Leergewicht von 158,5 Kilogramm sowohl wendig, als auch (in Kurven) angenehm stabil und vertrauensbildend. Sie verfügt über einen Gitterstahlrohrrahmen mit angeschraubtem Heckrahmen. Und vorn über eine goldeloxierte Upside-down-Gabel.

Und wenn man die Stadt hinter sich lässt, erlebt man eine echte Überraschung. Der sechste Gang lässt sich ausdrehen und ausdrehen und ausdrehen – ohne dass sich die Kleine (vom Hersteller angegebene Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h) besonders anstrengt. „Yes, she can“, möchte man befreit ausrufen. Also doch auch eine für die Landstraße.

Mit ihrer Sitzhöhe von 785 Millimetern ist sie eher niedrig. Man kann aber auch – Stichwort Sonderausstattung – eine noch niedrigere oder eine höhere Sitzposition haben. Der Kniewinkel ist von Haus aus aber eher spitz. Daher ist das Sitzen nicht sehr komfortabel. Klar, Tourer ist sie sicher keiner.

 

Für Städter gemacht

Wer soll das Bike, das einen sportlichen, präsenten Eindruck macht, fahren? Einsteiger oder Leute, die viel in der Stadt unterwegs sind. Und solche, die einfach die Marke mögen (wobei BMW mit der G 310 R etwa auch auf den asiatischen Markt abzielt). Hierzulande ist man mit einem Listenpreis von 5150 Euro brutto dabei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2018)

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