Schwedenstahl, das war einmal

Darf man noch dieseln bei Volvo? Beim neuen V60 ist das in der Anfangsphase sogar geboten. Erst später kommen weniger starker Benziner und (teure) Plug-In-Hybriden dazu. Am feinen Eindruck des Kombis ändert das nichts.

Volvo läuft zu alter Kombi-Größe auf, und das in der ganz jungen Couture der Marke. Der V60 ist deutlich länger geworden und hat mehr Platz und Laderaum zu bieten.
Volvo läuft zu alter Kombi-Größe auf, und das in der ganz jungen Couture der Marke. Der V60 ist deutlich länger geworden und hat mehr Platz und Laderaum zu bieten.
Volvo läuft zu alter Kombi-Größe auf, und das in der ganz jungen Couture der Marke. Der V60 ist deutlich länger geworden und hat mehr Platz und Laderaum zu bieten. – (c) Werk

Rhetorisch hat Volvo den Dieselmotor schon ausgemistet. Die kommende Limousine S60, ab Anfang 2019 auf dem Markt, werde keinen im Programm haben, und überhaupt sehe man eine rein elektrische (nahe) Zukunft für die Marke, spricht Volvo-CEO Håkan Samuelsson. Keine neue Dieselgeneration werde entwickelt, jedes neue Modell ab 2019 elektrifiziert sein. Der Diesel-Plug-In-Hybrid ist bereits beigesetzt (eine gute Idee).

In der Jetztzeit, am Beispiel des neuen V60, sieht das anders aus. Diesen werden frühe Kunden hauptsächlich als Diesel kaufen – weil ihnen gar nicht viel anderes übrig bleibt. Ein gleich 310 PS starker Benziner als vorerst einzige Alternative, das ist in unseren Breiten ein Minderheitenprogramm. Ganz abgesehen davon, dass Volvo mit einer 80-Prozent-Quote noch im Vorjahr zu den erklärten Dieselmarken in Europa zählte.

 

Flacher, eleganter

Während der Motorfrage eine gewisse Widersprüchlichkeit anhaftet, findet man ästhetisch zu einem klaren Urteil: Der ist gelungen!

Obwohl Volvo dieser Tage hauptsächlich SUVs verkauft, bekennt man sich unbeirrt zum Kombi (den man mit dem Duett von 1953 ja erfunden haben will) und setzt den starken Zug im Design fort. Man muss nur den alten und den neuen V60 gegenüberstellen – kaum wiederzuerkennen, die Baureihe. Das liegt am dynamischen Zuschnitt der Karosserie, die vorn trotz intaktem Fußgängerschutz flacher, eleganter ausfallen durfte, und am Längenwachstum.

Der V60 steht auf der größeren der beiden Plattformen im Haus, er teilt sie mit XC60 und der 90er-Serie. So wuchs er kräftig um 12,6 cm, der Radstand ging 96 cm mit – Indiz für großzügigere Platzverhältnisse an Bord. Obwohl der V60 etwas schmaler ausfällt als sein Vorgänger, wartet er mit 100 Litern mehr Ladevolumen auf. Für den leichteren Zugang ging die Ladekante nach unten, Handgepäck ist durch eine aufstellbare Trennwand schnell fixiert.

(c) Werk

Der Innenraum ist ganz dem skandinavischen Sinn für hochwertige bis luxuriöse, aber stets stilsichere Einrichtung verschrieben; wie fein es wird, hängt vom Investment in die Ausstattungslinie ab. Vom zentralen Touchscreen aus wächst eine Chromspange in die Flanken, die auf Wunsch Treibholz-Einlagen einfasst – der Interieurdesigner ist jedenfalls ziemlich stolz darauf. Die Instrumententafel ist rein digital dargeboten und spielt alle Stücke.

Das Sicherheitsthema trommelt der V60 mit einer Unzahl elektronischer Assistenten, die vor allem darauf abzielen, einen unaufmerksamen, abgelenkten Fahrer nicht ins Verderben ziehen zu lassen: Bis 60 km/h wird gebremst, wenn die Kamera Radfahrer, Fußgänger oder Elche erkennt, darüber hinaus wird gegengelenkt beim Verlassen der Fahrspur, insbesondere in Richtung Gegenverkehr. Umfassenderes teilautonomes Fahren bietet optional der Pilot Assist, dies im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz aber nur bis 130 km/h. Ein nicht unwesentlicher Beitrag zur Sicherheit – und unser persönliches Highlight im neuen V60 – ist das superbe Gestühl, die Sitze sind von herausragender Qualität, Volvo-typisch halten einen die nach vorn geneigten Kopfpolster straff in Position.

(c) Werk

Das Fahrwerk bietet einen schönen Kompromiss von Komfort und genug Agilität für ein paar flottere Kurven, das Verhältnis kann man mit Felgengröße und Sportfahrwerk noch justieren.

Der Allrad-T6 ist erwartbar die souveränere, lust- und druckvolle Motorisierung, der Vierzylinder ist mit Turbo und Kompressor gerüstet. Er bekommt Ende des Jahres eine Variante mit 250 PS, im Frühjahr 2019 eine mit 190 PS und Frontantrieb beigestellt. Die beiden Diesel mit 150 und 190 PS, ab Ende des Jahres auch mit Allrad, entsprechen mit SCR-Kat der aktuellen Abgasnorm – und wohl auch den Ansprüchen der meisten Kunden, die aus dem Vorgänger zum Neuen herüberschielen.

VOLVO V60

Maße L/B/H 4761/1850/1427 mm. Radstd. 2872 mm. Kofferraumvol 529 l.

Motoren/Preise

Alle Motoren: Vierzylinder, 1969 ccm.

T6 AWD (310 PS, Benzin, Allrad) ab 55.500 Euro. Gewicht ab 1824 kg.

D3 (150 PS, Diesel, Frontantrieb) ab 42.185 Euro (6-Gang manuell)/ab 44.476 Euro (8-Gg.-Automatik). Gewicht ab 1718/1739 kg. D4 (190 PS, Diesel, Front) ab 43.963 Euro (6-Gang man.)/ab 44.476 Euro (8-Gg.-Automatik). Gewicht ab 1690/1729 kg.

Compliance-Hinweis:
Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Schwedenstahl, das war einmal

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.