Subaru XV: Es gibt sie noch, die gute alte Schule

Die erste Generation des Subaru XV muss man nicht gekannt haben. Die Neue lohnt aber, entdeckt zu werden: als vielseitige, allradbewehrte und rundum sympathische Alternative zu auftrumpfender deutscher Premiumware.

Aufpreisliste? Metalliclackierung. Sonst ist schon alles drin im Subaru XV mit 156-PS-Boxermotor und Allradantrieb – wirklich erstaunlich um 30.990 Euro.
Aufpreisliste? Metalliclackierung. Sonst ist schon alles drin im Subaru XV mit 156-PS-Boxermotor und Allradantrieb – wirklich erstaunlich um 30.990 Euro.
Aufpreisliste? Metalliclackierung. Sonst ist schon alles drin im Subaru XV mit 156-PS-Boxermotor und Allradantrieb – wirklich erstaunlich um 30.990 Euro. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Subaru zählt zu den Marken, denen subtiles Wohlwollen entgegenschlägt, obwohl man marktanteilsmäßig bei uns nicht gerade an vorderster Stelle streitet. Der Justy war für einige Zeit der Klassiker unter Forst- und Hüttenwirten, weil klein, robust und – lang einzigartig – waldwegtauglich mit Allrad, der Impreza WRX STi diente als Bubentraum der Generation Colin McRae. Worauf sich alle schnell einigen können, ist die legendäre Zuverlässigkeit, die man der Marke aus Tokio zuschreibt.

Und natürlich eine gewisse Eigenart, zu der das Festhalten an Allradantrieb und Boxermotor unter (fast) allen Umständen gehört.

Justy und scharfe Imprezas sind heute nicht mehr im Sortiment. Dafür die frische zweite Generation des 2012 eingeführten XV. Die hat glücklicherweise wenig gemein mit dem Vorgänger, der ein verkappter Impreza war. Der neue XV ist der erste Subaru auf einer ganz neuen Plattform, auf der bald alle Modelle stehen sollen. Er ist etwas länger und hat drei Zentimeter mehr Radstand als XV, der Erste. Dessen alte, irgendwie undefinierbare Karosserieform hat sich jetzt eingependelt als Cross-over-Kombi, also höhergestellt und mit robustem Look durch beplankte Radhäuser und angedeutetem Unterfahrschutz. Front und Heck sind optisch so viel besser gelungen, dass man den alten XV im neuen praktisch nicht erkennt. Kein Schaden, wie gesagt.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das gilt auch für die Beibehaltung von Subarus Standardrepertoire: Allrad für Traktionssicherheit in allen Lagen und Vierzylinder-Boxer für tiefen Schwerpunkt und ruhigen Lauf, in diesem Fall als Zweiliter-Direkteinspritzer mit 156 PS. Nominell sind das nur ein paar PS mehr als zuvor und ein etwas früher auflaufendes maximales Drehmoment, aber praktisch haben wir es mit einem runderneuerten Motor zu tun, der mit alten Trinkgewohnheiten bricht. Die 7,9 Liter Schnittverbrauch, wie im ausgewogenen Mix aus Stadt- und Überlandverkehr erzielt, sind ein patenter Wert für das Gebotene. Wir hatten unlängst einen vergleichbaren BMW-Diesel zu Gast, der zwar vernehmlich ratterte, aber beim Verbrauch nicht viel besser lag. Diesel hat Subaru beim XV übrigens nicht im Programm.

Den kultivierten Boxerantrieb ergänzt ein Automatikgetriebe, das oft vorschnell verschmäht wird, nämlich ein CVT genanntes, stufenloses. Im Normalbetrieb ist es vollkommen unauffällig beziehungsweise eigentlich sehr geschmeidig, weil gänzlich ruckfrei. Das Antritt aus dem Stand ist ordentlich, denn kein anderes Getriebe schafft es schneller auf Touren. Steigt man voll auf das Gaspedal, geht der Motor auf Maximaldrehzahl, während das Getriebe frei die Übersetzung justiert. Das kann irritieren. Fraglos besser angelernt, aber eigentlich auch nicht überlegen ist das Verhalten der klassischen Automatik, die sich ihre Zeit zum Zurückschalten nimmt und erst wieder zum Hochschalten kommt, wenn die Drehzahl passt. Oder anders gesagt: Subaru hat das CVT-Getriebe dorthin entwickelt, wo es nicht mehr die Geister scheiden sollte. Es gibt sogar Lenkrad-Paddles, um simulierte Fahrstufen abzurufen.

Neue dritte fixe Subaru-Komponente ist die Fahrassistenz EyeSight, Standardausrüstung bei der Marke. Dabei wacht ein optisches System mit Stereokamera über den Verkehr voraus (auf Querverkehr beim Ausparken achten Radarsensoren). Das Abstandhalten von der Autobahn bis zum städtischen Stop-and-go gelang verlässlicher als kürzlich mit auf Radar gestützter deutscher Premiumware – ein erheblicher Komfortfaktor.

Überhaupt hat sich Subaru auch in der Anmutung gemausert, ohne Designexperimenten anheimzufallen. Man zeigt keine Technikavantgarde, sondern solide Einrichtung samt analogen Drehreglern. Im XV ist auch Karosserieübersichtlichkeit noch ein Wert. Aufpreisliste? Äh, Metalliclackierung. Sonst ist schon alles drin. Ein Ort zum Wohlfühlen – gute alte Schule des Autobaus!

Subaru XV Style 2.0i Navi

Maße. L/B/H: 4465/1800/1615 mm. Radstand: 2665 mm. Gewicht: 1439 kg. Ladevolumen: 385–1310 Liter.
Motor. 4-Zylinder-Boxer, 1995 cm3. Max. 115 kW (156 PS), max. 196 Nm. Vmax: 194 km/h, 0–100 in 10,4 sec. Allrad, CVT-Automatik. Testverbrauch: 7,9 l /100 km.
Preis ab 30.990 Euro.

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2018)

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