Nachruf auf den Kleinwagen, wie wir ihn kannten

Der Ford Fiesta Active ist theoretisch ein Kleinwagen, praktisch aber eine geschrumpfte obere Mittelklasse, die sich auch noch um SUV-Appeal bemüht. Wie viel geht sich wirklich aus auf vier Metern Länge?

Das Leben, eine Fiesta: Wohlfühlatmo im Cross-over-Kleinwagen Fiesta Ford Active.
Das Leben, eine Fiesta: Wohlfühlatmo im Cross-over-Kleinwagen Fiesta Ford Active.
Das Leben, eine Fiesta: Wohlfühlatmo im Cross-over-Kleinwagen Fiesta Ford Active. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Ein kleiner Wagen für kleine Ansprüche, das ist hier nicht das Thema. Sondern das blanke Gegenteil: Was lässt sich auf vier Metern Länge unterbringen? In diesem Fall – an Ausstattung nahezu alles, was Vertreter der oberen Mittelklasse schmückt: neben Sitz- auch Lenkradheizung, Sound von B&O, adaptiver Tempomat, Spurhalte- und Notbremsassistenz, LED-Scheinwerfer, Navigation und allerlei Konnektivität, ob das Smartphone nun per Bluetooth oder Kabel gekoppelt ist.

 

SUV-Mimikry

Freilich handelt es sich um keinen Fiesta, wie man ihn als Mietwagen auf dem Flughafen übernimmt. „Active“ ist eine Ausstattungsvariante, und zwar eine der höheren von zehn(!) angebotenen. Dies auch buchstäblich: Mit knapp zwei Zentimetern mehr Bodenfreiheit ist eine Art SUV- oder Cross-over-Mimikry in Gang gesetzt.

Aber mittlerweile ist der Look so verbreitet, dass die „robuste“ Optik gar nicht mehr so auffällt: Plastikeinfassungen der Radhäuser, Seitenschweller, Unterfahrschutzattrappe et cetera. Hauptsache, nicht mehr ausschauen wie ein ganz normaler Kleinwagen.

Folgerichtig ist mit „Active“ auch die Basismotorisierung verwehrt – ohne Turbo geht nix mehr. Entsprechend wehrhaft ist das kleine Kerlchen von Dreizylinder: Aus knapp einem Liter Hubraum stemmt er wahlweise 85, 100, 125 oder 140 PS. Wir waren im vollen Trimm unterwegs und würden sagen: Diese Ausgabe kann man sich sparen, außer, man hat es auf 200 km/h auf der Autobahn abgesehen. Denn einen Unterschied machen die Mehr-PS nur bei hoher Drehzahl, die man sich im Alltag aber sehr leicht verkneifen kann, weil der entscheidende und gar nicht kleine Drehmomentschub da schon längst stattgefunden hat und der nächste Gang eingelegt ist.

Apropos: Die sinnvollere 100-PS-Variante des Eco-Boost-Dreizylinders gibt es optional auch mit Getriebeautomatik. Und mit dieser an Bord wäre dann wirklich das Feeling von oberer Mittelklasse ausgerufen. Denn immerhin: Auch im größeren Focus sind Dreizylinder bei den Benzinern das höchste der Gefühle. Man kann damit leben, denn die Motoren haben Punch und Manieren, im Verbrauch rangierten wir (mit 140 PS) je nach Fahrbetrieb zwischen sechs und knapp sieben Litern.

Bliebe noch die Platzfrage. Vier Erwachsene finden ohne Schmerzen Unterkunft, wenn die Fahrt nicht länger geht, als man hinten halt die Knie ruhig halten kann. Die Einkindfamilie kann zurechtkommen, aber das ist eine Frage der Ansprüche. Schon anständig ausgestattet startet der Fiesta Active mit 85 PS bei 17.950 Euro, ein Amoklauf durch die Aufpreisliste samt 140-PS-Frivolität, wie bei unserem Testexemplar, endet bei 25.270 Euro. (tiv)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2018)

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