Der Traum aller Taxifahrer

Hyundai hat den Santa Fe vergrößert und kippt dafür die Grand-Version aus dem Programm. Geboten werden viele Assistenzsysteme – vor allem eines, das Taxifahrer lieben werden.

„Stormy Sea“, nennt Hyundai diese Wagenfarbe. Sie kostet 800 Euro Aufpreis. Sonst ist im neuen Santa Fe alles Serie, was bei vielen anderen Herstellern Sonderausstattung ist.
„Stormy Sea“, nennt Hyundai diese Wagenfarbe. Sie kostet 800 Euro Aufpreis. Sonst ist im neuen Santa Fe alles Serie, was bei vielen anderen Herstellern Sonderausstattung ist.
„Stormy Sea“, nennt Hyundai diese Wagenfarbe. Sie kostet 800 Euro Aufpreis. Sonst ist im neuen Santa Fe alles Serie, was bei vielen anderen Herstellern Sonderausstattung ist. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Welches seiner Kinder mag man lieber? Eine solche Frage kann man nicht beantworten – es sei denn, es gab gerade einen heftigen Streit mit der schwer pubertierenden Jüngeren. Auch der Kia Sorento und der Hyundai Santa Fe sind Brüder, sie bauen auf der gleichen Plattform auf. Beide gefahren, beide erlebt – und auch hier fällt es schwer, einen klaren Liebling zu haben.

Äußerlich unterscheiden sich die SUV-Brüder aus Korea trotz aller Verwandtschaftsverhältnisse deutlich. Der Santa Fe ist mittlerweile in der vierten Generation auf 4,77 Meter Länge gewachsen. Lang genug, um den Grand Santa Fe aus dem Programm zu kippen, der bisher die Hyundai-Familie angeführt hat.

Der große Kühlergrill und die schmalen Tagfahrlicht-LEDs verleihen ihm einen mächtigen Auftritt. Mit den klaren Seitenlinien, den Ecken und Kanten steht er auch akzentuierter da als der Sorento, der einen eher rundlichen Eindruck macht. Hinten fallen die neuen 3-D-Rückleuchten auf.

Innen dominiert im luftigen, hellen SUV eine feine Lederoptik, nur sporadisch klopft man auf Plastik. Der Audio- und Navigationsmonitor steht frei, wie man es von deutschen Premiummodellen kennt, mit Handyverbindung und Android Auto bzw. Apple Carplay funktioniert auch die Sprachsteuerung, die man sonst in so einem Fahrzeug vermissen würde.

 

Gekühltes Handschuhfach

Nett sind das kühlbare Handschuhfach, die belüfteten Vordersitze und die kabellose Ladestation fürs Handy, hilfreich und gut das Head-up-Display und das Heck-rollo an den hinteren Türen. Immer wieder bemerkenswert ist, wie gut der automatische Abstandshalter und der Lenkassistent bei den Koreanern funktionieren. Da können manch andere Hersteller etwas lernen.

Apropos Assistenten: Hyundai hat in den neuen Santa Fe alles verpackt, was das Unternehmen derzeit an raffinierter Technik zu bieten hat. Das beginnt bei einem autonomen Notbremsassistenten, geht über den Insassenalarm, der warnt, wenn man nach dem Aussteigen jemanden auf den Hintersitzen vergessen hat (gerade in den USA sterben jährlich Dutzende vergessene Babys in überhitzten Autos) und reicht bis zum Ausstiegsassistenten, der einzigartig ist und den Santa Fe eigentlich zum Lieblingsauto aller Taxifahrer machen müsste: Das System erkennt Fahrzeuge, die sich von hinten nähern, und gibt einen Warnton ab bzw. verriegelt die Hintertür, um Unfälle beim Aussteigen zu vermeiden.

Motorisch beginnt der Santa Fe bei 150 PS. Das dürfte aber mehr ein Zugeständnis an die besonders sparsamen Käufer sein, die wenig Versicherung zahlen wollen, weil selbst unser Testfahrzeug mit 200 PS nicht übermotorisiert war. Im Sportmodus strengt sich das SUV hörbar an, obwohl Hyundai großzügig Dämmmaterial verbaut hat. Damit bleibt der Common-Rail-Diesel aber immerhin im Comfort-Modus angenehm zurückhaltend, unterstützt von der neu entwickelten Achtstufenautomatik, die unauffällig und präzise schaltet.

 

Neue Abgasnorm

Der 2,2-Liter-Dieselmotor erhielt eine Harnstoffeinspritzung. womit er bereits die kommende strengere Euro-6d-TEMP-Abgasnorm erfüllt. Man kann also beruhigt Deutschland besuchen, selbst Stuttgart, wenn's sein muss. Im Test und meist im Fahrmodus Smart, in dem sich das Auto dem Fahrstil anpasst, kamen wir auf einen Verbrauch von 7,8 Liter.

Preislich nähert sich der Santa Fe in der Topversion, die kaum noch Ausstattungswünsche offen lässt, den 60.000 Euro an. Das ist nicht wenig – und auch etwas mehr, als ein vergleichbarer Kia Sorento kostet. Dennoch: Müssten wir zwischen den Brüdern wählen, würden wir zum Santa Fe tendieren – und das ganz ohne Streiterei.

HYUNDAI SANTA FE

Maße. L/B/H: 4770/1890/1680 mm. Radstand: 2765 mm; Eigengewicht: 1905 kg; Kofferraumvolumen: 625 bis 1695 Liter.

Motor. 2,2 Liter CRDI, Hubraum: 2199 cm3; Vmax: 205km/h; maximale Leistung: 200 PS (147 kW); 4WD; Verbrauch im Test: 7,8 Liter/100km.

Preis ab 47.990 Euro (150 PS); Testauto mit Sonderlackierung: 60.540 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2019)

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