Das größte Wagnis: Als Porsche das Siegen lernte

Vor 50 Jahren wurde ein epochaler Rennwagen präsentiert, der Porsche erst zum heutigen Ansehen im Motorsport führte. Die Österreich-Connection war beteiligt am Erfolg.

Sie nannten ihn das „Geschwür“: Zum runden Geburtstag ließ Porsche ein restauriertes Original des 917 in Goodwood vom Stapel.
Sie nannten ihn das „Geschwür“: Zum runden Geburtstag ließ Porsche ein restauriertes Original des 917 in Goodwood vom Stapel.
Sie nannten ihn das „Geschwür“: Zum runden Geburtstag ließ Porsche ein restauriertes Original des 917 in Goodwood vom Stapel. – (c) Werk

Wenn Ferdinand Piëch an jenem Tag angespannt und aufgeregt war – wozu er allen Grund gehabt hätte –, so war ihm das nicht anzumerken. Genfer Autosalon, Mitte März 1969: Da stand er, 32-jährig, als Porsche-Entwicklungschef, umringt, aber doch einsam, äußerlich gelassen, mit der typischen, ihm eigenen Reserviertheit. Hinter ihm: „Das riskanteste Auto meines Lebens“, wie er Jahrzehnte später zu Protokoll geben sollte.

Wo war Firmenchef Ferry Porsche? Warum zeigte sich nicht einmal der Pressesprecher der Sportwagenmarke? Piëch durfte dem Fachpublikum ganz allein Rede und Antwort stehen. Ungewöhnlich genug, einen Extrem-Sportwagen auf einem Automobilsalon zu enthüllen. „Es war das Aufregendste, was die Firma Porsche zu bieten hatte“, so Piëch später.

Und Aufregung, die überkommt Kenner und Enthusiasten heute noch, wenn das Stichwort 917 fällt. Mit dem sicheren Abstand von fünf Jahrzehnten vielleicht mehr denn je – die Fahrer, die sich mit den ersten Exemplaren auf die Strecke wagten, fürchteten den Rennwagen. Ein „Geschwür“ nannten sie ihn, nicht beherrschbar, unberechenbar bei höheren Geschwindigkeiten – was im 917 freilich jenseits Tempo 300 bedeutete. Doch da hängte bereits das berufliche Schicksal des jungen, aufstrebenden Ingenieurs und Managers Piëch an dem Auto – und wohl auch das der ganzen Marke. Der 917 stellte auch für Porsche das größte Wagnis ihrer bisherigen Geschichte dar. Ausgang: ungewiss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2019)

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