BMW Z4: Kurven sind meine Gerade

Autofahren nicht als Mittel, sondern Zweck: BMWs Z4 pflegt Roadster-Tugenden, als wäre er nie weggewesen.

BMW Z4 mit Stoffverdeck, auf diesem Bild am Ort seiner Bestimmung: im Verdeckkasten. Der in Österreich gebaute Roadster bleibt an Fahrfreuden nichts schuldig.
BMW Z4 mit Stoffverdeck, auf diesem Bild am Ort seiner Bestimmung: im Verdeckkasten. Der in Österreich gebaute Roadster bleibt an Fahrfreuden nichts schuldig.
BMW Z4 mit Stoffverdeck, auf diesem Bild am Ort seiner Bestimmung: im Verdeckkasten. Der in Österreich gebaute Roadster bleibt an Fahrfreuden nichts schuldig. – (C) Werk

Offen gesagt: Liebe auf den ersten Blick war's keine. Schwer zu sagen, was man sich vom verspäteten Nachfolger erwartet hätte, immerhin lief die letzte Z4-Generation schon 2016 aus. Aber stilistisch mutig und charismatisch, so würden wir eher den ersten Z4 (2002–2008) nennen. Da war auch noch der eben mutige und charismatische Designer Chris Bangle am Werk. Auch das Plattform-Alter-Ego Toyota Supra sieht spannend aus. Der neue Z4 hingegen: vom Styling her irgendwie erwartbar, ein Produkt aus dem aktuellen BMW-Setzkasten. Ist die Roadster-Klientel wirklich so konservativ gepolt? (Gut möglich, übrigens!)

Aber seit wir den Neuen gefahren sind, ziemlich intensiv, halten wir Elogen auf das Modell. Das Design ist ja auch nicht schlecht – kein Höhepunkt zwar, aber alleweil ausreichend ansehnlich. Geht es jedoch um innere Werte, dann strahlt das Auto blendend hell.

 

Famoser Reihensechser

Mit einer vorläufigen Einschränkung. Wir führten das stärkste Ross im Stall aus, den M40i. Er hat den famosen Reihensechser unter der gestreckten, geschwellten Motorhaube, außerdem eine breitere Spur der Hinterachse und ebendort ein Sportdifferenzial, alles Dinge (neben einigen PS), die den Vierzylindervarianten fehlen (das M-Sportfahrwerk ist bestellbar).

Für profunde Roadster-Freuden, an einem schönen Tag auf freudvoll gewellter Straße, braucht man die M-Zutaten wohl auch nicht. Wir aber wollten es wirklich wissen: Wie weit lässt sich der Zweisitzer treiben?

Als Racer ist er schließlich nicht auf die Welt gekommen, mit klar über 1,5 Tonnen Gewicht gilt er kaum als Leichtbau-Monument. Es mangelt dafür auch nicht an Komfort, und was die Wunderkiste der Vernetzung angeht, lässt sich der Z4 auf 3er-Niveau aufrüsten. Das Dach wird elektrisch betätigt, ist aber als Stoffverdeck und nicht wie zuvor als Blechfaltdach ausgeführt – nicht nur optisch ein Gewinn, sondern auch den Schwerpunkt betreffend.

Der Motor wirkt wie ein Tier in einem zu kleinen Käfig. Das ist zweifelsohne gewollt, denn die gepflegte Übermotorisierung ist sozusagen das Markenzeichen, wenn BMW den Buchstaben M ins Spiel bringt. Er verheißt mehr als bloße Sportlichkeit, nämlich: Dramatik, ja, Spektakel. Dermaßen, auch klanggewaltig, wütet die Dreilitermaschine, die im Ansprechen keine Wartezeiten abverlangt. Dies dank Twin-Scroll-Turbos: ein singulärer Lader, bei dem die Ladeluft auf das Turbinenrad getrennt über zweiflutige Abgaskrümmer (von je drei Zylindern) geleitet wird. Kompliziert? Merken wir uns einfach: Gewaltiges Anreißen auf dem Drehmomentgebirge, dennoch kurze Ansprechzeiten, also praktisch kein Turboloch. Nur Puristen werden das Fehlen eines manuellen Getriebes beanstanden, die Acht-Gang-Wandlerautomatik zeigt sich allen Anforderungen, Schnell- wie Geschmeidigkeit betreffend, gewappnet.

Blick nach Innen.
Blick nach Innen.
Blick nach Innen. – (c) BERNHARD_LIMBERGER

Weniger die maximale Leistung beeindruckt als vielmehr der Dampf, der, der sich, auf den geringsten Nachdruck am Gaspedal hin, an der Hinterachse ins Freie, auf die Fahrbahn entlädt. 500 Newtonmeter in diesem kompakten Format haben einigen Schauwert. Dabei haben wir es keineswegs mit einem Chassis zu tun, das von der Power brutal überfahren wird, sondern mit einem, das auch im Nachgeben seitwärts seine Brillanz und Präzision behält. Mit anderen Worten: Der Z4 ist ein Driftkönig, der in geübter Hand mit Freude quer von Kurve zu Kurve stiebt.

Der Preis dafür ist eine gierige Lenkung, die nachgerade zu betteln scheint: Komm, gib mir die Kurve! Fest im Griff will das Volant daher gehalten werden, womit wir wieder beim Urthema des Roadster-Fahrens wären: Autofahren nicht als Mittel, sondern als Zweck.

In konkreten Fall der fahrdynamischen Erbauung – und, wenn man so will, der Landschaftspflege heimischen Autoschaffens: Der Z4 wird bei Magna in Graz für die ganze Welt gebaut, und seine Motoren, Vier- wie Sechszylinder, kommen aus Steyr.

Compliance-Hinweis:

Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

BMW Z4 M40i Automatik

Maße: L/B/H: 4324/1864/1304 mm. Radstand: 2470 mm. Leergewicht (EU): 1610 kg. Kofferraum: 281 Liter.
Motor: R6-Zylinder-Turbo-Otto, 2998 ccm. Leistung max.: 250 kW (340 PS) bei 5000–6500/min. Drehmoment max.: 500 Nm bei 1600–4500/min. Vmax: 250 km/h. 0–100 km/h: in 4,6 sec. Testverbrauch: 9,6 l/100 km. Hinterradantrieb. Achtgangautomatik (Wandler).
Preis: ab 70.500 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      BMW Z4: Kurven sind meine Gerade

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.