Renault Clio: Ein Busserl von der Muse

Der automobile Spatz von Renault: In fünfter Generation ist der Clio nicht gewachsen, dafür ganz schön erwachsen geworden.

Ein bisschen gestriegelt und geföhnt, der neue Clio. Innen tat sich mehr.
Ein bisschen gestriegelt und geföhnt, der neue Clio. Innen tat sich mehr.
Ein bisschen gestriegelt und geföhnt, der neue Clio. Innen tat sich mehr. – (c) JEAN-BRICE LEMAL0683664150jean

„Konsistent“ findet Renaults Chef-Designer, Laurens van den Acker, die Optik der Modellpalette. Beispiel: neuer Clio. Dieser schaut gar nicht so viel anders aus als der Vorgänger, der Schwenk von der Bravheit zur Andeutung von Sinnlichkeit hat sich bewährt, daran will der Niederländer nicht rütteln. Deshalb: Ein paar Retuschen an der nun mit Voll-LED-Scheinwerfern besetzten Front, auf der Motorhaube und am Heck, eine stärkere Akzentuierung der Lichtsignatur, und das war's mit dem Musenkuss. Außen.

Innen aber ist alles neu: vom konfigurierbaren TFT-Kombi-Instrument übers Lenkrad (kompakter) bis zum Armaturenbrett, auch Lüftungsschlitze, Sitze (Aufbau und Konturierung), Mittelkonsole (höher, breiter) und vor allem Materialien mit soften Oberflächen, lackierten Details, Chrom. Und: Ein entweder sieben oder 10,3 Zoll messendes, hochkant gestelltes Infotainment-Touchdisplay macht Eindruck. Der Handbremshebel ist einer Taste gewichen.

Das Ganze steht auf einer neuen Plattform aus der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz, aufnahmefähig auch für Elektroantrieb. Doch los geht's mit Verbrennern. Das sind ein 1,0-Liter-Dreizylinder und ein 1,3-Liter-Vierzylinder, Ersterer mit 75 Sauger- oder 100 Turbo-PS, jeweils mit fünfgängiger Handschaltung (für den Stärkeren wird ein CVT-Getriebe nachgereicht), Zweiterer mit 130 PS und siebenstufiger Doppelkupplung.

Trotz starkem Hang zu Otto-Antrieben im Kleinwagensegment – 89 Prozent gesamt – offeriert Renault auch Diesel, einen 1,5-Liter mit 85 oder 115 PS, mit manueller Sechsgangschaltung. Erweitert wird das Antriebsprogramm 2020 um einen Vollhybriden (1,6-Liter-Benziner mit zwei Elektromotoren).

Der Eintritt in die neue Clio-Generation fällt sogar um knapp einen Zentimeter kürzer aus, auch ein wenig niedriger. Dafür mit einem engmaschigen Netz an elektronischen Helfern und Wächtern. Abgesehen von Permanent-Konnektivität und in den höheren Ausstattungsstufen Fahrmodus-Auswahl (zwei fixiert, einer individuell justierbar) können eine 360-Grad-Kamera und ein Autobahn- und Staufahrpilot an Bord sein. Automatisiert fahren auf Stufe zwei ist damit bis zu einem Tempo von 160 km/h möglich, sofern man auf einer Autobahn oder Schnellstraße unterwegs ist, wo sich das System an Bodenmarkierungen orientieren kann.

Seine erste Talentprobe absolvierte der Clio (mit 100 und 130-Benziner-PS) aber vorerst im Stadtverkehr von Lissabon und hernach ein gutes Stück an der portugiesischen Atlantikküste entlang sowie im kurvenreichen Alentejo. Echter Beweis seines Erwachsenseins: Die Fahrwerksabstimmung orientiert sich nicht an der immer noch als typisch französisch eingestuften Komfortphilosophie. Sie ist knackig, egal ob im Eco- oder Sport-Modus. Es holpert und scheppert dabei nichts. Die Lenkung gibt feine Rückmeldung, die Bremsen verkneifen sich Bissigkeit. Schon der Dreizylinder entwickelt mit seinen 100 PS sportliche Ambitionen, an das Fehlen eines sechsten Gangs gewöhnt man sich. Der 130-PS-Vierzylinder dürfte auch mit gebirgigem Terrain gut zurechtkommen. Das Direktschaltgetriebe hat durchaus Wandlerautomatik-Qualitäten. (trx)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2019)

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