Toyota GR Supra: Wo warst du so lange

Der japanische Sportwagen ist zurück. Welcher? Der natürlich! Im Vergleich Toyota GR Supra 3.0 versus Renault Mégane R.S. Trophy.

(c) Juergen Skarwan

Beginnen wir, wo es endete – im Ausklang der 1990er, als es mit der Hochblüte japanischer Sportwagen erst einmal vorbei war. Seit den Siebzigern pfefferten die Hersteller Modelle auf den Markt, wie sie von den Europäern schon länger vernachlässigt wurden – leistbare, Sportcoupés, hetzig, praktisch, zuverlässig und offen für Verbesserungsvorschläge in der Hinterhofwerkstatt. Sie hießen Honda CRX, Mitsubishi Eclipse, Nissan 300ZX, Toyota MR2 oder Mazda RX-7 (vergessen wir den ersten MX-5 nicht!), eine Ebene darüber forderten Honda und Toyota mit NSX und Supra Turbo die etablierten Supercar-Exoten. Toyota ließ es dann gut sein, exportierte den Supra wegen der strengen Abgasvorschriften nicht mehr nach Europa und verlegte sich ganz darauf, mit vornehmlich braven Autos die Nummer eins der Welt zu werden. Been there, done that.


Inzwischen hat man erkannt, dass man sich um den Titel auch nichts kaufen kann; VW ist an die Spitze getreten, viel Spaß!, und bei Toyota wird immer mehr das Wirken des Akio Toyoda sichtbar, 2009 ans große Steuer getreten. Akios Großvater hat Toyota gegründet, ein Umstand, auf dem sein Enkel aber gar nicht herumreitet, er fuhr lieber Autorennen und lebte ein lustigeres Leben, als das traditionell im Clan so gepflegt wurde. Ein paar Jahre im Amt, erkannte Akio aber den Ernst des Lebens – und sprach: Keine faden Autos mehr! Damit sind wir im Hier und Jetzt, denn eine Folge von Akios Maxime ist die Wiederkehr des Supra – gerade rechtzeitig, bevor der frühe Ruhm zu verblassen drohte.
Gewiss, das Auto ist ein Gemeinschaftsprojekt, in dem BMW die Hardware liefert (und Österreich den Produktionsstandort), zuvorderst den wundervollen Dreiliter-Reihen­sechser.

Ein solches Format hatte man bei Toyota längst aussortiert, im letzten Original-Supra war es mit Hightech-Registeraufladung für bis zu 330 PS gut. Doch der Anschluss gelang nahtlos.

Fahrstil: Toyota versus Renault



Der Supra des neuen Jahrgangs entfesselt 340 PS, soweit kein Unterschied zum BMW Z4 M40i. Klanggewaltig und jederzeit empörungsbereit, ohne Wartezeiten im Ansprechen, wütet die Dreilitermaschine dank Twin-Scroll-Turbo: ein singulärer Lader, bei dem die Ladeluft auf das Turbinenrad getrennt über zweiflutige Abgaskrümmer von je drei Zylindern geleitet wird. Merken wir uns einfach: Gewaltiges Anreißen auf dem Drehmoment-Hochplateau von 500 Newtonmeter ab 1600 Touren. Auch die Acht-Gang-Wandlerautomatik entspricht voll der BMW-Ausführung und könnte gar nicht besser walten zwischen Kurbel- und Antriebswelle. Damit ist es zur Eskalation an der Hinterachse immer nur ein kurzer Weg am Gaspedal, was den Flair eines Muscle-cars herbeizaubert. Und dass wir nicht im Z4 sitzen, das begreift man nach einer Sekunde am Lenkrad: Perfektes Volant für die gefühlvoll-präzise Führung; keine Ahnung, warum einen die Bayern dagegen mit blunzendicken Lenkrädern hantieren lassen. Da fehlt’s an Raffinesse.

Was für eine Show, die der Supra auf der Straße abzieht.

Den Unterschied sieht man indes schon viel früher – was für eine Show, die der Supra mit seinem dramatischen Faltenwurf abzieht! Aus jeder Perspektive hat der Toyota einen starken Look zu bieten, unsere drei Highlights: die Scheinwerferpartie mit Triple-Leuchten, das Double-Bubble-Dach und der grandiose Heckbürzel, Ersatz für die Jausenbank des Supra Mk.4 – alles liebevolle Verweise in die Historie, als auch der (vergleichsweise) kleine Mann ein Straßenspektakel entbieten durfte.
Als Farbklecks und konzeptionellen Kontrapunkt haben wir den neuen Renault Mégane R.S. in Trophy-Ausführung dazugebeten. Das jüngste Produkt der R.S.-Schmiede hat einiges zu bieten, imposante 300 PS etwa, es zeigt aber auch, warum ein Hot Hatch niemals Ersatz für einen echten Sportwagen sein kann. Mit Frontantrieb und seinem verzweifelten Ringen um Traktion, gefolgt vom Veitstanz des Lenkrads, bleibt jede Power eine stumpfe Klinge. Vielleicht hat man bei Renault Sport zu wenig Aufwand an der Vorderachse getrieben, wir sahen die Problematik bei anderen Beiträgen mit um die 300 PS schon besser gelöst, daran ändert auch die feine Allradlenkung nichts, die die Hinterräder mit bis zu 2,7  Grad einschlagen lässt, je nach Tempo mit den Vorderrädern oder gegenläufig.


Was für den R.S. spricht: hohe Alltagstauglichkeit auf der einen, ein jüngst verbuchter Nürburgring-Nordschleifenrekord für Serien-Fronttriebler auf der anderen Seite. Und wem es wichtig ist: Der 1,8-Liter-Turbo, der mit 50 PS weniger Spitzenleistung auch in der Alpine Dienst versieht, macht im Sportprogramm einen wirklich zünftigen Auspuffkrawall.
Der neue Supra ist vielleicht ein ungewöhnicher Toyota, einer, der aus dem Genpool des Prius nichts abbekommen hat. Er ist auch kein verkappter BMW, denn er ist an entscheidenden Stellen anders abgestimmt und kehrt viel offensiver und angriffslustiger den Racer hervor. Auf den geeigneten Straßen wissen wir, wo wir lieber drinsitzen würden.

Das Genre des japanischen Sportwagens steht bei uns sowieso hoch im Kurs – auch wenn der Supra mit Sechszylinder kein günstiges Auto ist, so steht er doch für die Rolle des Underdogs, der sich, von Snobs belächelt, seine Glaubwürdigkeit auf der Straße verdient. Und das war bei Japans kleinen Supercars schon immer so. Seien wir gespannt auf die Vierzylindervarianten, die folgen, auch mit Handschalter, und hoffen wir auf viele, die es dem Supra nachmachen und noch schnell einen Gang zurückschalten, bevor der Spaß vorbei ist.

(c) Juergen Skarwan

Le Hot Hatch

Auf der Spielwiese der Hot Hatches sind mittlerweile 300 PS oder mehr angesagt. Es wird dann aber bald eng an der Vorderachse.

Name : Renault Mégane R.S. Trophy
Preis : 43.990 Euro
Motor : R4-Zylinder-Turbo, 1798 ccm
Leistung : 300 PS
Antrieb : Frontantrieb
Gewicht : 1419 kg
0–100 km/h : in 5,7 Sekunden
Vmax : 260 km/h
Verbrauch : 8,8 l/100 km im Test

(c) Juergen Skarwan

Zurück mit einem GR

Toyota und Gazoo Racing (GR) beweisen, dass ein Plattform-Geschwisterchen, in dem Fall vom BMW Z4, eigene Charakterzüge entwickeln kann.

Name : Toyota GR Supra 3.0
Preis : 71.900 Euro
Motor : R6-Zylinder-Turbo, 2998 ccm
Leistung : 340 PS
Antrieb : Heckantrieb
Gewicht : 1520 kg
0–100 km/h : in 4,3 Sekunden
Vmax : 250 km/h (el. abgeregelt)
Verbrauch : 10,0 l/100 km im Test

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