Kontraktlogistik: Verpacker, Reifenmonteur, Bestandsmanager

Mangelnde eigene Ressourcen führen oft zum Zukauf externer Dienstleistungen. Dabei sollte man nicht blauäugig vorgehen.

QUEHENBERGER REIFENLAGER IN TRAISKIRCHEN
QUEHENBERGER REIFENLAGER IN TRAISKIRCHEN
Automobil-Zulieferer greifen auf die Dienste von Kontraktlogistiker zurück. – (c) APA (QUEHENBERGER LOGISTIKGRUPPE)

Auf Kontraktlogistik spezialisierte Unternehmen bieten ihren Kunden weit über Lagerung und Transport von Waren hinausgehende Dienstleistungen: Reifenmontage, Druck- und Mailingdienstleistungen, Inkasso-Service, Dekoration von Einzelhandelsgeschäften und viele andere Leistungen entlang der gesamten Supply-Chain finden sich im Portfolio. Diese Angebote sind offensichtlich gefragt: „Kontraktlogistik ist eines unserer strategischen Produkte mit dem aktuell größten Umsatzwachstum“, erzählt etwa Hermann Költringer von der Augustin Quehenberger Group. Das Unternehmen erzielte in den letzten fünf Jahren in diesem Marktsegment Umsatzsteigerungen im zweistelligen Bereich. Von der Übernahme reiner Lagerdienstleistungen bis hin zum kompletten Outsourcing mit Bandversorgung in der Automobilbranche und Just-in-Time-Lieferung reichen heute die Servicedienste. Für Weißwarenkunden übernimmt Quehenberger selbst das Neuverpacken von Geräten.

Zukauf von Ressourcen

Etwa anders agiert Mail Boxes Etc. in diesem Marktsegment. Das Unternehmen betreibt nach dem Franchise-Prinzip rund 40 Servicecenter in Österreich. Ursprünglich war MBE Outsourcing-Experte für Grafik-, Druck- und Versanddienstleistungen, seit mehr als einem Jahr werden auch flexible Logistikleistungen und Warehousing für kleine und mittlere Unternehmen angeboten. Für Dolphin Technologies etwa, einem Anbieter von Telematik-Lösungen für Versicherungen, lagert MBE Hard- und Softwarelösungen in Brunn, verpackt die Teile und versendet sie an 350 Autohäuser und KFZ-Betriebe in Österreich. Dort werden sie in die Fahrzeuge der Versicherungskunden eingebaut.
Meist sind es klassische Gründe, die ein Outsourcing nötig machen, erzählt MBE-Österreich-Chef Dieter Baier: „Entweder will sich der Kunde auf sein Kerngeschäft konzentrieren oder das Volumen ist zu gering, um dafür eigene Mitarbeiter anzustellen. Häufig will man sich auch einen Puffer bei Urlauben und Krankenständen schaffen.“
Harald Zwölfer, Managementpartner beim Beratungsunternehmern Econsult, berichtet über ähnliche Erfahrungen: „Wenn der Umfang zu klein ist, wenn große saisonale Schwankungen auftreten oder wenn sich das Unternehmen auf seine Kerngeschäfte konzentrieren will, wird man Kontraktlogistik ins Auge fassen.“ Vor allem im Zusammenhang mit Internet-Shops sei die Nachfrage nach ausgelagerten Logistikdienstleistungen stark gestiegen, weiß Zwölfer. Ein Vorteil ergäbe sich hier auch durch die schnellere Abwicklung: „Befindet sich das Lager des Online-Versands direkt beim Logistiker, fällt der ganze Vorlauf weg und die Auslieferung geht rascher vor sich.“

Genaue Prüfung

Ob sich Kontraktlogistik rechnet, hängt allerdings vom Einzelfall an. Bei saisonalen Schwankungen sei das meist der Fall, meint etwa Költringer: „Der Kunde profitiert davon, dass er in Saisonspitzen auf zusätzliches Personal, Flächen, Stapler und ähnliches beim Dienstleister zugreifen kann, ohne diese das ganze Jahr über zu bezahlen.“ Viele Auftraggeber hätten Saisonspitzen, bei denen sich das Auftragsvolumen gegenüber den schwachen Monaten verdoppelt oder verdreifacht, berichtet der Quehenberger-Manager: „Und genau hier liegt dann auch das große Kostenpotenzial für den Kunden, da nur der Dienstleister diese Auf und Abs kostenoptimal darstellen kann.“
Ein Haken an der Kontraktlogistik ist, dass sich Kunde und Dienstleister meist für einen längeren Zeitraum aneinander binden, erläutert hingegen Management-Berater Zwölfer: „Das Logistikunternehmen muss für seinen neuen Kunden Investitionen tätigen und diese in den Vertrag einkalkulieren. Und je länger die Vertragsdauer ist, desto günstiger wird es.“ Darum prüfe, wer sich lange bindet, rät er. Eine möglichst genaue Ausschreibung sei ebenso eine Grundlage für ein zufriedenstellendes Verhältnis zwischen Auftraggeber und Dienstleister wie ein detaillierter Vertrag. Neben den Hard Facts zählen aber auch die Soft Facts: „Der Auftraggeber muss nach exakter Vertragsprüfung das Gefühl haben, dass er mit dem Dienstleistungsunternehmen gut zusammenarbeiten kann.“

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