Verpackung soll kein Müll werden

Mit dem steigenden Paketversand wächst der Müllberg durch die Verpackungen. Die Branche will mit Mehrwegverpackungen, Ökozertifizierungen und maßgeschneiderten Paketgrößen gegensteuern.

Verpackungsmüll ist die unschöne Seite des boomenden Onlinehandels.
Verpackungsmüll ist die unschöne Seite des boomenden Onlinehandels.
Verpackungsmüll ist die unschöne Seite des boomenden Onlinehandels. – (C) Pixabay

Sie schützen Ware, setzen Marken in Szene und sind mittlerweile auch immer öfter mit Intelligenz ausgestattet. Verpackungen sind heute weitaus mehr als schmuckloses Außenmaterial, in dem Produkte zum Endverbraucher gebracht werden. Innovative Verpackungslösungen können nicht nur Informationen über den Zustand der Ware liefern, sondern auch deren Qualität sicherstellen. Dabei muss einem Aspekt Rechnung getragen werden, wie Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transport und Logistik der WU Wien, bekräftigt: Sie müssen umweltfreundlich sein.

Einfache und klare Antworten gibt es in diesem Zusammenhang freilich nicht. „Aus Umweltüberlegungen muss es etwa nicht immer schlecht sein, auf Verpackungen aus Kunststoff zu setzen“, sagt Kummer. Auch wären Mehrwegverpackungen nicht zwangsläufig die umweltfreundlichere und wirtschaftlichere Lösung.

 

Wunsch der Verbraucher

Dass sich Supermarktkunden nachhaltige Verpackungen wünschen, zeigt eine Studie von PWC Deutschland. Die überwiegende Mehrheit der Befragten (95 Prozent) sprach sich dafür aus, die Materialmenge auf ein Minimum zu reduzieren und auf Material zu setzen, das sich gut recyceln lässt. 92 Prozent sind für einen weitgehenden Verzicht auf Plastik. Neun von zehn befürworten die Möglichkeit, Verpackungen mehrmals zu nutzen. Auch im Versand würden drei Viertel ein Mehrwegsystem gutheißen. Von den Befürwortern wären sogar sieben von zehn bereit, für Mehrwegversandverpackungen Pfand zu entrichten.

Im Logistik Netzwerk von Zalando wird laut Uwe Streiber, Lead Verpackungsmanagement, derzeit das Thema Mehrwegladungsträger diskutiert. So schaue man sich etwa Lösungen wie Repack an und entscheide fallbezogen, wie sinnvoll der Einsatz sei. Die in drei Größen erhältlichen Versandtaschen des gleichnamigen finnischen Start-ups bestehen aus recycelten Materialien und können mehr als 20-mal wiederverwendet werden. Für die Rücksendung, die kostenlos ist, erhalten die Konsumenten einen Einkaufsgutschein. Ein weiterer Aspekt: Rücksendungen werden von Behindertenwerkstätten bearbeitet.

Dem Nachhaltigkeitsaspekt trägt auch eine Plattform Rechnung, mit der ein österreichisch-deutsches Start-up Anfang 2019 an den Start gehen möchte. Wie einer der drei Gründer, Torsten Beyenbach, erklärt, sollen auf www.paxly.eu Nachfrage und Angebot im Verpackungsbereich zusammengebracht werden, um den Einkaufsprozess zu vereinfachen – ähnlich wie das etwa bei Amazon der Fall ist. „Es gibt eine so große Anzahl an Anbietern, dass man nicht weiß, wer was in welcher Menge liefern kann“, so Beyenbach. Auch wenn man grundsätzlich keinen Anbieter ausschließen will, so können die Käufer wählen, bei wem sie letztlich welche Verpackungslösung – dabei handle es sich überwiegend um Produkte, die aus Wellpappe sind – beziehen. Und im Verkäuferprofil kann spezifiziert werden, ob gewisse einschlägige Zertifizierungen, beispielsweise für nachhaltige Forstwirtschaft, vorliegen. „Zudem können sich die Käufer auf Basis der Postleitzahl einen Anbieter aussuchen, der in der Nähe liegt, um lange Lieferstrecken auszuschließen“, so Beyenbach. Außerdem sei Wellpappe an sich ein regionales Produkt, das aus einem hohen Anteil an Recyclingmaterial bestehe.

Für eine interessante Innovation in Sachen Smart Packaging zeichnet die deutsche August Faller Gruppe verantwortlich: Mit dem Prototyp „Medical Prescription“ entwickelte der Spezialist für Pharmaverpackungen eine Faltschachtel mit kleinem E-Paper-Display und elektronischen Bedienelementen, die die Zahl der Tabletten herunterzählt, an die Einnahmezeit erinnert und sich meldet, wenn ein neues Rezept geholt werden muss.

 

Verpackung nach Maß

Dem Problem, dass Waren oft in zu großen Versandkartons verschickt werden, weshalb Luft mittransportiert wird und mehr Fahrten notwendig sind, will der britische Verpackungskonzern DS Smith mit einer neu entwickelten Maschine entgegentreten. Made2fit kann Kartons an die tatsächliche Produktgröße anpassen und bis zu tausend Schachteln pro Stunde produzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2018)

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