Start-ups: Mehr als ein laues Lüftchen

Seit einigen Jahren entdecken mutige Gründer auch hierzulande die Logistikbranche für sich und sorgen für frischen Wind.

3-D-Visualisierung beim Frachtvermesser Cargometer, einem Wiener Logistik-Start-up.
3-D-Visualisierung beim Frachtvermesser Cargometer, einem Wiener Logistik-Start-up.
3-D-Visualisierung beim Frachtvermesser Cargometer, einem Wiener Logistik-Start-up. – (C) Cargometer

Österreichs Logistik Start-up-Szene ist im Aufbruch. Zu den Aushängeschildern gehören etwa Tedalos aus Biedermannsdorf mit Cloud-Lösungen für die Warenüberwachung oder die smarte All-in-one-Logistik von Byrd aus Wien. Ebenfalls aus der Bundeshauptstadt kommen der 3-D-Frachtvermesser Cargometer und die kontinuierlich wachsende Online-Lagerplatzbörse Store.me. Mit der Übernahme des Logistikanbieters Lalotra steigt auch der Welser Streamingdienstexperte Nogis ins Dienstleistungsgeschäft ein. „Die Schwerpunkte sind vielfältig und reichen von Lagerhaltung und -vermietung über Online-Frachtplattformen bis hin zu Last-Mile-Lieferlösungen und Supply-Chain-Steuerungen. Auch Sicherheits- und Risikomanagement ist ein typisches Thema“, sagt Carola Egg, Assistentin der Geschäftsführung des Fachverbands Spedition & Logistik. Sie betont aber gleichzeitig, dass die Szene erst jetzt in die Gänge komme: „Erst zwischen 2016 und 2017 zog das Wachstum um rund ein Drittel an.“ Laut Austrian Start-up-Monitor 2018 sind derzeit rund vier Prozent der österreichischen Start-ups in den Bereichen Logistik & Energie tätig. „Ein klares Zeichen, dass es durchaus schon einzelne, spannende Entwicklungen gibt, auch wenn die Szene noch in den Kinderschuhen steckt“, sagt Markus Raunig, Managing Director der Plattform Austrian Start-ups. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den stark ausgeprägten B2B-Bereich.

 

Erfahrungsaustausch

„Mehr als zwei Drittel der neuen Unternehmen haben ausschließlich oder hauptsächlich Unternehmen als Kunden. Durch diese Fokussierung gibt es einen regen Erfahrungsaustausch und genügend erfahrene Mitarbeiter im Umgang mit Großkunden. Das sehe ich als Stärke, besonders im Hinblick auf die Logistikbranche“, so Raunig. Natürlich gebe es ein paar alteingesessene Platzhirsche, die das Eindringen der Start-ups in die Logistikbranche kritisch beäugt haben und sie als potenzielle Konkurrenten sehen. „Die Mehrheit wittert aber auch große Chancen. Start-ups können mit ihren innovativen Produkten oder Geschäftsmodellen helfen, zentrale Probleme bestehender Logistikunternehmen zu lösen“, betont Raunig. „Dabei ist es als bestehendes Unternehmen allerdings essenziell, sich auf die höhere Geschwindigkeit und kreative Energie der Neugründer einzulassen.“ Und er schickt eine Warnung hinterher: „Wenn man einem Start-up mit den üblichen Prozessen und Entscheidungsstrukturen eines Großunternehmens begegnet, wird ihre innovative Herangehensweise sehr schnell gebremst, und viel Potenzial bleibt auf der Strecke.“

 

Starker Nachbar

In Deutschland ist man einen Schritt weiter. Dort gewinnen Logistik-Start-ups immer mehr Marktanteile und siedeln sich besonders stark im Bereich Transport und Logistikdienstleistung an. International einen guten Ruf erarbeitet hat sich Seven Senders. Das Berliner Start-up kann mit seinen Speditionskooperationen schnelle, flexible und günstige Lieferungen ins Ausland anbieten. Auch bei City-Logistik und Last Mile sind die Deutschen einfallsreich. Rytle aus Bremen hat etwa ein ganzheitliches Konzept für die City-Logistik mit Lastenfahrrad und speziellen Transportboxen entwickelt. Liefery aus Berlin bietet Zeitfensterlieferung für E-Commerce und Multichannel-Händler. Pakadoo aus Baden Württemberg verbesserte die Paketzustellung und wurde dafür mit dem Nachhaltigkeitspreis Logistik 2018 der Bundesvereinigungen Logistik von Österreich und Deutschland ausgezeichnet.

„Mit den Themen künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologien eröffnen sich für Start-ups ganz neue Potenziale in allen Logistikbereichen“, ist Szenekenner Raunig überzeugt. Carola Egg sieht deren größte Chancen vor allem in bestimmten Nischen. „Mit ihrem Know-how und Dienstleistungsspektrum können sie zu richtigen ,Flitzern‘ werden, wenn Not am Mann ist.“

INFO

Der Start-up-Monitor 2018 weist einen Anteil von rund vier Prozent an österreichischen Jungunternehmen aus, die in den Bereichen Logistik und Energie tätig sind. Besonders aktiv ist die Szene im B2B-Bereich. Davon profitieren beide Seiten: die Start-ups von der Erfahrung ihrer großen Partner und diese von den kreativen Ideen der Newcomer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2019)

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