Slowakei: Abgestzter Bischof könnte rehabilitiert werden

Róbert Bezák, Erzbischof von Trnava, entdeckte offenbar schwarze Konten seines Vorgängers. Dann setzte ihn der Vatikan 2012 kommentarlos ab. Nun könnte unter Papst Franziskus in seinem Fall eine Wende kommen.

Schockwellen gingen durch die katholische Kirche der Slowakei, als Róbert Bezák, der beliebte Erzbischof von Trnava, im Juli 2012 von Papst Benedikt XVI. abgesetzt wurde. Ohne Angabe von Gründen. Dafür mit umso mehr Spekulationen in der Folge.

Nun könnte Bezák (53) vor der Rehabilitierung stehen, wie der österreichische Theologe Paul M. Zulehner am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien mitteilte, zu der die Initiatoren Petition, deren Ziel eben genau die Rehabilitierung von Bezák ist, geladen hatten.

Zulehner glaubt an eine Lösung binnen Wochen. Offenbar hat es vor kurzem ein Treffen zwischen dem unehrenhaft entlassenen Erzbischof und Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Bischofskongregation, gegeben. Dies hat Zulehner von František Mikloško erfahren, einem ehemaligen Dissidenten und christdemokratischen Abgeordneten. Er ist in stetem Kontakt mit Bezák, der sich in ein Kloster seines Redemptoristen-Ordens zurückziehen musste.

Im Vatikan Ansehen und Einfluss erkauft?

Dieses über zwei Ecken kolportierte Treffen ist bemerkenswert: Erstens, weil Bezák vor seiner Entlassung nicht die Gelegenheit gegeben worden war, Ouellet seine Sicht der Dinge darzulegen. Zweitens, weil Ouellets Sekretär, Erzbischof Montanari, eingeräumt habe, dass auch der Vatikan Fehler mache. Und drittens, weil dabei erstmals auch über finanzielle Malversationen in der Diözese gesprochen worden sein soll. Und diese, so die Vermutung vieler mit dem Fall Vertrauter, haben etwas mit der Entlassung zu tun. Bischof Bezák soll geheime Konten mit Millionen-Einlagen aus der Zeit seines Vorgängers Jan Sokol entdeckt haben.

Es werde vermutet, dass Bischöfe dieses Geld auch dazu benutzt hätten, sich im Vatikan Einfluss und Ansehen zu erkaufen, sagt Hans Hurka von der Plattform "Wir sind Kirche". Zulehner formuliert es etwas vorsichtiger: Es sei klar, dass es finanzielle Unregelmäßigkeiten gebe, meint er. Dies sei aber schwer zu beweisen.

Jedenfalls habe es offenbar im Vatikan eine "Koalition der Beunruhigten" gegeben, sagte Ex-Vizekanzler Erhard Busek, der sich ebenfalls für eine Rehabilitierung Bezáks einsetzt: "So geht man mit einem Menschen einfach nicht um". Sauer stößt ihm auch auf, wie man mit Bezák nach seiner Absetzung verfahren habe: "Es ist ja nicht die eigentliche Funktion eines Klosters, unliebsame Personen einfach wegzusperren."

Bischöfe: „Kultur des Todes"

Die Bischöfe der Slowakei stehen auch aus anderen Gründen derzeit unter ungewohnt heftiger Kritik von Gläubigen, Politikern und Medien: Den Anlass für die noch immer anhaltende Empörung lieferte ein Anfang Dezember verlesener Hirtenbrief, der selbst für slowakische Verhältnisse erstaunlich konservativ im Inhalt und scharf in der Formulierung ausgefallen war.

In dem Schreiben kritisierten die obersten Hirten nicht nur wie gewohnt Abtreibung und gleichgeschlechtliche Partnerschaften, sondern verurteilten auch die in der EU forcierte Geschlechter-Gleichberechtigung als Wurzel allen Übels: Die Aufhebung der traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau bedrohe zunehmend die Familie, warnten die Bischöfe. Auf den ersten Blick klinge „Gleichberechtigung" gut, aber diejenigen, die das Wort verwendeten, hätten die Zerstörung der Familie als „Institution Gottes" zum Ziel.

Die „Gender-Ideologie" propagiere eine familienfeindliche „Kultur des Todes", in der zunächst die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern aufgehoben und dann auch homosexuelle Partnerschaften akzeptiert würden. Dies führe zu einer „Sodomischen Verwirrung", die Gottes Strafe nach sich ziehe.

Im Gegensatz zu Papst Franziskus

Die katholische Bischofskonferenz kämpft auch seit Monaten gegen die geplante Anpassung slowakischer Antidiskriminierungsgesetze an EU-Standards. Unter anderem wollen die Bischöfe verhindern, dass in den vorgesehenen Diskriminierungsverboten neben Rasse und Religion auch die sexuelle Orientierung erwähnt wird. Nicht nur die Anhänger des abgesetzten liberalen Erzbischofs Bézak kritisieren immer lauter, dass sich die slowakischen Bischöfe damit in immer deutlicheren Gegensatz zum neuen Papst Franziskus stellen.

 

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