Haus in Wien-Penzing besetzt: Polizei setzt auf Dialog

Geschätzte 20 bis 30 Personen halten sich in einem Abbruchhaus in der Kienmayergasse auf. Eine polizeiliche Räumung steht aber nicht unmittelbar bevor.

 Eine Außenaufnahme des besetzten Hauses am Dienstag
 Eine Außenaufnahme des besetzten Hauses am Dienstag
Eine Außenaufnahme des besetzten Hauses am Dienstag – APA/HERBERT P. OCZERET

In Wien-Penzing hat eine offenbar größere Gruppe ein Haus besetzt. An der Adresse Kienmayergasse 15 hielten sich nach Schätzungen der Polizei 20 bis 30 Personen auf, die sich weigerten, das Gebäude bis zur vom Besitzer gestellten Frist Dienstagmittag zu verlassen. Eine polizeiliche Räumung stehe aber nicht unmittelbar bevor, man setzte vorerst auf Gespräche.

"Wenn wir vermittelnd tätig werden können, werden wir das tun. Man wird auf alle Fälle versuchen, die Leute friedlich rauszubekommen", betonte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Bisher zeigten die Hausbesetzer allerdings nicht allzu viel Gesprächsbereitschaft. Als ein Eigentümervertreter in Begleitung von zwei Polizisten am Ostermontag Kontakt aufnehmen wollte, wurden ihm Eier hinterhergeworfen.

"Dialog und Deeskalation"

Laut dem Polizeisprecher handelt es sich um ein Abbruchhaus. Den Besetzern werde wegen an der Fassade angebrachten Graffiti u.a. Sachbeschädigung vorgeworfen. Wenn der Besitzer der Immobilie eine Räumung verlangt und festgestellt wird, dass durch die Besetzung schwerwiegend in seine Rechte eingegriffen wird, könnte die Aktion auch sicherheitspolizeilich beendet werden. Davon sei aber noch keine Rede, betonte Eidenberger. Derzeit stünden die Zeichen auf "Dialog und Deeskalation".

Am Ostersonntag war in einem Blog zur Besetzung aufgerufen worden: "Wir haben ein Haus besetzt, kommt vorbei! Kommt vorbei, wenn ihr ausbrechen wollt, wenn ihr etwas tun wollt, wenn ihr keinen Bock auf all den Dreck im Alltag habt, wenn ihr Lust auf Auseinandersetzung mit anderen und dieser Stadt habt!" Die Initiatoren riefen potenzielle Teilnehmer auf, "sich nicht verdrängen zu lassen" und "das Grätzl zu schützen", außerdem solle man Nützliches wie Töpfe, Essen, Müllsäcke und Klopapier mitbringen.

Eigentümer will "individuelle Lösungen" mit Mietern

Der Eigentümer des Haues versucht mit den bestehenden Mietern "in direkter Absprache individuelle Lösungen" zu finden, hieß es am Dienstag in einem knappen Statement gegenüber der Austria Presseagentur. Eigentümer ist das in Deutschland und Österreich tätige Immobilienunternehmen Vestwerk. Ob den Hausbesetzern die Räumung bevorsteht, wollte man nicht kommentieren.

"Bei unserem Projekt in der Kienmayergasse haben wir von Anfang an sämtliche Beteiligten in mögliche Entscheidungsprozesse miteingebunden", hieß es in dem schriftlichen Statement. "Als Projektentwickler sind wir natürlich auch bemüht, mit unseren Konzepten die jeweiligen Liegenschaften aufzuwerten und nachhaltigen Wohnraum zu schaffen", so Maximilian Kneussl, Managing Partner bei Vestwerk.

Der Umbau des Hauses soll laut Vestwerk im Herbst 2017 beginnen, die Fertigstellung ist für Sommer 2019 geplant. Insgesamt werden 65 Eigentumswohnungen gebaut. Ein weiteres aktuelles Projekt, das Vestwerk derzeit in Wien umsetzt, ist die Revitalisierung des sogenannten Kronenhauses in der Mariahilferstraße 110. Das Gebäude, in dem sich die Apotheke "Zur Kaiserkrone" befindet, soll bis Mitte 2019 in ein Kaufhaus auf drei Ebenen umgebaut werden.

Erinnerung an "Pizzeria Anarchia"

Zuletzt hatte eine Hausbesetzung im Juli 2014 in Wien für Aufsehen gesorgt. Nach der Räumung der "Pizzeria Anarchia" in der Leopoldstadt hat es viel Kritik am 870.000 Euro teuren Polizeieinsatz mit mehr als 1.400 Beamten gegeben, die letztlich 19 Aktivisten aus dem Gebäude entfernten. Die Besetzer hatten sich mit auszugsunwilligen Hausbewohnern solidarisiert, nachdem zuvor der Inhaber den Aktivisten zweieinhalb Jahre vor der Räumung erlaubt hatte, für ein halbes Jahr gratis dort zu wohnen.

(APA)

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