Nach Eklat bei Fußballspiel: FC Mariahilf entschuldigt sich bei Vatikan-Frauenteam

Drei Spielerinnen hätten unabgesprochen und zu "unpassendem Zeitpunkt" mit "Pro-Choice"-Botschaften provoziert, hieß es in einer Facebook-Botschaft des FC Mariahilf.

FUSSBALL FRAUEN: FC MARIAHILF - VATIKAN-FRAUENTEAM:
FUSSBALL FRAUEN: FC MARIAHILF - VATIKAN-FRAUENTEAM:
Spielerinnen des Vatikan-Teams nach Abbruch des Spiels – APA/EXPA/THOMAS HAUMER

Es hätte der Höhepunkt der 20-jährigen Vereinsjubiläum werden sollen, stattdessen wurde das für Samstag geplante Match des Wiener Frauen-Landesligaklubs FC Mariahilf gegen das vatikanische Frauenfußballteam noch vor Spielbeginn abgeblasen. Der Grund: Das Team des Vatikans hatte sich durch die Aktion von drei Mariahilfer Spielerinnen provoziert gefühlt. Sie hatten mit auf ihren Bauch gemalte Botschaften für das Recht auf Abtreibung protestiert.

Nun hat die Vereinsleitung des Wiener Frauen-Landesligaklubs FC Mariahilf ihr Bedauern über die Absage des Freundschaftsspiels geäußert. In einer offiziellen, via Facebook verbreiteten Stellungnahme zu dem Eklat am Samstag hieß es tags darauf: "Wir möchten uns aufrichtig bei den Spielerinnen des Vatikan Teams und den Gästen von nah und fern dafür entschuldigen, dass das Spiel nicht stattgefunden hat. Der Spielabbruch war zu keiner Zeit beabsichtigt und wir haben uns ebenfalls auf das Freundschaftsspiel gefreut."

Die Aktion der drei Spielerinnen sei selbständig organisiert und durchgeführt worden, der Verein habe sie nicht mitgeplant, heißt es in dem Statement weiter. Der stumme Protest hätte provozieren "und auf die Einstellung der Kirche zum Thema reproduktive Selbstbestimmung und LGBTIQ-Rechte hinweisen" sollen.

Regenbogenfahnen am Spielfeld

Dennoch sei dem Verein "Toleranz, Vielfalt der Lebensformen und ein friedliches Miteinander wichtig“,  worauf mit Regenbogensymbolik hingewiesen wurde - zu Beginn des Spiels hingen an den Eckstangen Regenbogenfahnen, auch ein Schriftzug des Vereins war in den bunten Farben auf einer Wand neben dem Spielfeld angebracht worden. 

Die Vereinsleitung verstehe daher die Botschaft der drei Spielerinnen, "jedoch finden wir den Zeitpunkt der Durchführung unpassend und können daher die Aufregung nachvollziehen". Die Vereinsleitung betonte: "Bei uns sind alle willkommen, die gerne Fußball spielen. Weder Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, religiöses Bekenntnis, Hautfarbe noch sonstige Merkmale sind bei uns ausschlaggebend, ob jemand zu unserem Verein dazugehört."

Homophobe Äußerungen am Spielfeldrand

Es sei zudem, etwa von Seiten der Zuschauer, zu „unschönen, teils homophoben Äußerungen“ gekommen. Auch von diesen distanzierte sich der Verein und entschuldigte sich bei den betroffenen Personen.

Danach sei von Vereinsseite alles versucht worden, um das Spiel dennoch auszutragen, hieß es weiter: "Die drei Spielerinnen haben das Spielfeld verlassen, weiters wurde verlangt, dass Zuschauer*innen mitgebrachte Transparente, die sich gegen Homophobie aussprechen, abnehmen. Leider konnten wir die Verantwortlichen des Vatikans zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht mehr überreden, zu spielen."

Internationales Debüt der Vatikan-Frauen

Die Begegnung auf dem Spielfeld in Wien-Simmering - das zugleich das internationale Debüt des neu gegründeten vatikanischen Frauenfußballteam sein sollte - sei lange geplant und mit "vielen helfenden Händen" vorbereitet worden, um das 20-Jahr-Jubiläum des FC Mariahilf gebührend zu feiern, teilte dessen Leitung mit. "Trotz ambivalenter Haltungen innerhalb des Vereins zum Vatikan haben wir uns für das Match ausgesprochen, weil Fußball keine Grenzen kennt." Der Gründung eines Frauenteams im Vatikan stehe der Wiener Verein positiv gegenüber, man sehe dies als "kleines Zeichen zur Gleichstellung".

Vatikan sieht "übles Foul"

Der Eklat auf dem Wiener Fußballplatz hatte am Wochenende für zahlreiche Medienberichte gesorgt - mit unterschiedlicher Bewertung. Eindeutig fiel der Bericht auf "Vatican News" aus, der mit dem Satz eingeleitet wurde: "Wenn das mal kein übles Foul war." Einige der Heim-Spielerinnen hätten die Bühne des Fußballfeldes für "in diesem Kontext hoch unpassende Stellungnahmen gegen Homophobie und für das Recht auf Abtreibung" missbraucht und damit für die Absage des Spiels gesorgt. Fazit des Vatikan-Nachrichtenportals: "Es bleibt die traurige Tatsache, dass ein Fußballspiel, mit dem Fairplay und die verbindende Wirkung des Sports hätten demonstriert werden sollen, vielmehr genutzt wurde, um politische Botschaften unterzubringen, auf die in diesem Rahmen nicht angemessen geantwortet werden konnte."

 

(kathpress/twi)

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