"Krebs hat ein Drittel seiner Ursachen im Nikotin"

Onkologen machen sich für das "Don't Smoke"-Volksbegehren stark: "Tabak ist das einzige Produkt, das die Hälfte seiner Konsumenten tötet".

Themenbild
Themenbild
Themenbild – Imago

"Es ist eigentlich eine Schande, dass wir heute hier sitzen müssen", sagte bei der Pressekonferenz zum Start des Sammelns von Unterstützungserklärungen für das "Don't Smoke"-Volksbegehren in Wien der Grazer MedUni-Rektor Hellmut Samonigg, jahrzehntelang als führender Onkologe tätig.

Vor 40 Jahre hätte sich Österreich zukunftsweisend entschlossen, das Atomkraftwerk Zwentendorf nicht in Betrieb gehen zu lassen. Dagegen müsse das Land heute darum kämpfen, vom letzten Platz beim Nichtraucherschutz in Ländervergleichen wegzukommen. "Tabak ist das einzige Produkt, das die Hälfte seiner Konsumenten tötet, sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO; Anm.). Krebs hat ein Drittel seiner Ursachen im Nikotin", stellte Samonigg fest.

v.l.), Hellmut Samonigg (Initiative 'Don't smoke'), Thomas Szekeres (Präs. Ärztekammer Wien), Daniela Jahn-Kuch (Initiative 'Don't smoke'), Paul Sevelda (Präs. Krebshilfe), im Rahmen einer PK der Ärztekammer Wien anl. des offiziellen Startschusses für das Volksbegehren 'Don't smoke'
v.l.), Hellmut Samonigg (Initiative 'Don't smoke'), Thomas Szekeres (Präs. Ärztekammer Wien), Daniela Jahn-Kuch (Initiative 'Don't smoke'), Paul Sevelda (Präs. Krebshilfe), im Rahmen einer PK der Ärztekammer Wien anl. des offiziellen Startschusses für das Volksbegehren 'Don't smoke'
v.l.), Hellmut Samonigg (Initiative 'Don't smoke'), Thomas Szekeres (Präs. Ärztekammer Wien), Daniela Jahn-Kuch (Initiative 'Don't smoke'), Paul Sevelda (Präs. Krebshilfe), im Rahmen einer PK der Ärztekammer Wien anl. des offiziellen Startschusses für das Volksbegehren 'Don't smoke' – APA/HANS PUNZ

Der Onkologe nannte die durch den Tabakkonsum in Österreich jährlich verursachten Todeszahlen und führte zur Versinnbildlichung dazu einen Vergleich aus der Luftfahrt an: "Es sterben jedes Jahr 13.000 bis 14.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. In Österreich sterben (durch Rauchen, Anm.) pro Monat alle Insassen eines Airbus mit 850 Insassen, der gegen eine Felswand kracht. Die Insassen einer solchen Maschine und die Insassen eines kleineren Airbus mit 250 Personen sterben pro Jahr durch das Passivrauchen." Binnen drei Minuten hätten die Österreicher wieder 120.000 Zigaretten geraucht, innerhalb eines Jahres 16 Milliarden Stück oder aneinandergereiht die Strecke von der Erde zum Mond.

Er, Samonigg, habe in seinem Berufsleben tausende Krebspatienten, speziell Lungenkrebspatienten mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate bei letzteren von 20 Prozent gesehen. Die Regierung lasse die Raucher im Stich, die Gastronomen im Stich, Österreich im Stich.

Rauchverbote "in jeder Bananenrepublik" möglich

Die Grazer Ärztin Daniela Jahn-Kuch, ihr Bruder und Journalist Kurt Kuch starb am 3. Jänner 2015 an Lungenkrebs und hat als Frontmann für die "Don't Smoke"-Initiative gedient, die schließlich zum Parlamentsbeschluss für ein generelles Gastro-Rauchverbot mit Mai 2018 führte, verwies auf dessen Aussagen. Er hätte gesehen, dass Rauchverbote "in jeder Bananenrepublik", aber eben nicht in Österreich möglich seien. "Wie kommen Kinder dazu, dass sie Passivrauchen ausgesetzt sind?", zitierte sie Kuch und sagte: "Kurt wollte, dass anderen sein Schicksal erspart wird."

Die Ärztin führte bedenklich Zahlen zum Rauchen in Österreich an: "Laut den aktuellsten OECD-Daten rauchen 24,3 Prozent der österreichischen Bevölkerung täglich. Damit belegt Österreich den drittschlechtesten Platz in der EU. (...) Österreich ist das Land mit den meisten Raucherinnen in Europa mit 22,1 Prozent. Bei den Männern belegt Österreich mit 26,5 Prozent einen Top-Platz." Unter den Jugendlichen rauchten in Österreich 14,5 Prozent, was deutlich mehr als der OECD-Durchschnitt mit 11,7 Prozent sei.

Info

Alle Informationen zu dem Volksbegehren sind auch im Internet zu finden. Dort kann auch über eine Suchmaschine das nächste Bezirks- oder Gemeindeamt recherchiert werden. Die Abgabe der Unterstützungserklärung ist nicht an den Meldeort des Einzelnen gebunden.

Beweise sind eindeutig

Geht es nach den klaren Beweisen der Wissenschaft, kann am Zurückdrängen des Tabakkonsums also insgesamt und des Rauchens im Speziellen kein Weg vorbeiführen. Hier weitere Fakten aus der wissenschaftlichen Literatur.

"Lungenkrebs ist in der EU die häufigste Todesursache sämtlicher Krebsarten", stellte die Wiener Ärztekammer am Donnerstag in einer Faktensammlung zu dem Thema fest. Allein schon Passivrauchen führe zu einem um 40 bis 60 Prozent erhöhten Risiko für Asthma. Die Herzinfarktgefahr steige um rund ein Drittel, das Schlaganfallrisiko um bis zu 82 Prozent.

"Aktuell sterben jedes Jahr weltweit rund sechs Millionen Menschen durch den Tabakkonsum. Ohne dass härtere Maßnahmen getroffen werden, wird diese Zahl bis 2030 auf acht Millionen Opfer ansteigen", schrieb der "Lancet" im Jänner 2017 mit Berufung auf einen 700-Seiten-Bericht ("Die Ökonomie von Tabak und Tabakkontrolle") des Nationalen US-Krebsinstituts (NCI) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Einer Billion US-Dollar an Schäden (850 Milliarden Euro) - durch Produktivitätsverluste und Gesundheitskosten - pro Jahr stünden nur 269 Milliarden US-Dollar (2.294 Milliarden Euro) an Tabaksteuereinnahmen gegenüber. Für das 21. Jahrhundert wird weltweit mit rund einer Milliarde Todesopfern durch das Rauchen gerechnet.

Bei 1,8 Millionen Menschen weltweit wird derzeit pro Jahr ein Lungenkarzinom festgestellt. 1,6 Millionen Patienten sterben pro Jahr. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt nur 15 Prozent.

 

 

(APA)

Lesen Sie mehr zum Thema
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      "Krebs hat ein Drittel seiner Ursachen im Nikotin"

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.