Gedopte Gene sind unter uns

Von Brustkrebs bis Bluterkrankheit: Die Medizin hofft, mittels Gentherapie Patienten Heilung zu bringen. Doch die Erkenntnisse werden zuhauf für Doping missbraucht. Ein Genpass und lebenslange Sportsperren könnten Abhilfe schaffen.

„Im Gegensatz zum teuren Gendoping ist der Zugang zu herkömmlichen Dopingmitteln einfach und billig“, warnt Performance-Coach Richard Staudner.
„Im Gegensatz zum teuren Gendoping ist der Zugang zu herkömmlichen Dopingmitteln einfach und billig“, warnt Performance-Coach Richard Staudner.
„Im Gegensatz zum teuren Gendoping ist der Zugang zu herkömmlichen Dopingmitteln einfach und billig“, warnt Performance-Coach Richard Staudner. – (c) Clemens Fabry

Eero Mäntyranta sammelte Medaillen. Dreimal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze, lautete seine Bilanz allein nach den Olympischen Winterspielen der Jahre 1960 bis 1968. Erfolge, aufgrund derer er alsbald mit Dopingvorwürfen konfrontiert wurde. Erst zwei Jahrzehnte später sollten Forscher und mit ihnen Mäntyranta selbst dem Geheimnis des Finnen mit der markanten Strickhaube auf die Spur kommen: eine Genmutation.

Eine DNA-Analyse bestätigte, dass jenes Gen von Mäntyranta, das für den Rezeptor von Erythropoetin verantwortlich ist, eine Punktmutation aufwies: In seinem Blut fanden sich weit mehr Sauerstoff transportierende rote Blutkörperchen als üblich. Die Folge: enorme Ausdauer – aufgrund eines Verschuldens der Natur. Heute versuchen Forscher Gene gezielt zu manipulieren, um monogenetische Erkrankungen, wie die Bluterkrankheit, heilen zu können. „Leider zeigt der Lauf der Geschichte, dass medizinisch Segensreiches für Doping ausgenutzt wird“, kritisiert Sportmediziner Norbert Bachl.

Gendoping mal drei. Neben der verbotenen Einnahme von Hormonen und Blutdoping kursiert das Schlagwort Gendoping in der Sportszene. Und das nicht nur theoretisch. „Gewisse Praktiken des Gendopings werden mit Sicherheit schon jetzt missbräuchlich verwendet“, vermutet der Direktor des Österreichischen Instituts für Sportmedizin. „Es bietet zu viele Möglichkeiten, um nicht zu versuchen, sie auszuschöpfen. Einen großen Markt gibt es derzeit aber nicht – noch nicht.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2018)

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