Was beim Impfen zu beachten ist

Der soeben erschienene Impfplan für 2019 empfiehlt Vierfachimpfstoffe gegen die Grippe und fordert eine genauere Dokumentation von Impf-Nebenwirkungen. Ein Überblick.

Bei vielen Krankheiten gibt es in Österreich immer noch gefährliche Impflücken – obwohl die Vakzine teilweise nichts kosten.
Bei vielen Krankheiten gibt es in Österreich immer noch gefährliche Impflücken – obwohl die Vakzine teilweise nichts kosten.
Bei vielen Krankheiten gibt es in Österreich immer noch gefährliche Impflücken – obwohl die Vakzine teilweise nichts kosten. – (c) REUTERS (© Jerry Lampen / Reuters)

Wien. Neue Impfstoffe kommen darin zwar nicht vor, aber der am Montag präsentierte Impfplan für 2019 beinhaltet Präzisierungen zur Anwendung von Vakzinen sowie Impfungen bei Immunsuppression und gewissen Berufsgruppen.

Welche Impfungen sind nun die wichtigsten? Warum sollte überhaupt geimpft werden? Und gibt es immer noch so viele Masernerkrankungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

1 Warum ist eine Impfung überhaupt notwendig?

„Mit der Geburt ist das Immunsystem in seinen Bestandteilen im Prinzip fertig ausgebildet. Die Funktionalität der jeweiligen Komponenten ist jedoch noch nicht in erforderlichem Ausmaß gegeben“, sagt Gerhard Zlabinger, Leiter des Instituts für Immunologie der MedUni Wien. „Es kommt auf den richtigen ,Kick‘ an, um es ausreichend in Gang zu setzen. Das sind zusätzlich zu den zufälligen Kontakten mit Keimen der jeweiligen Umwelt auch die Impfungen.“

Im Erwachsenenalter läuft die Immunantwort auf potenziell krank machende Herausforderungen normalerweise ausreichend stark ab, aber mit fortschreitendem Alter kann es wieder Probleme geben. Das liegt an den schwächer werdenden Ressourcen des Immunsystems, um auf neue Gefahren reagieren zu können – was Impfungen bzw. Auffrischungen notwendig macht.

 

2 Was ist neu im österreichischen Impfplan 2019?

Bei der Influenza-Impfung wird auf die Bedeutung der Vierfachimpfstoffe hingewiesen, die einen breiteren Schutz gegen die Influenza B versprechen. In Österreich ist die Grippe gerade im Anrollen, um eine Epidemie handelt es sich aber noch nicht. Hauptsächlich wurden bisher Influenza A(H1N1)-Viren nachgewiesen.

Im neuen Impfplan sind zudem auch Begriffe wie „Impfkrankheit“ und „Impfschaden“ detaillierter definiert. Ursula Wiedermann-Schmidt, eine der Autorinnen, weist auf die extrem geringe Rate an gemeldeten Nebenwirkungen für Vakzine hin: „2017 wurden in Österreich zwischen 3,5 Millionen und vier Millionen Impfstoffdosen verabreicht. Es gab 289 vermutete Nebenwirkungen.“ Wichtig sei auch, für einen Impfschutz bei speziellen Berufsgruppen sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem und ihre Angehörigen zu sorgen. Dazu gehörten auch Patienten, die wegen einer Grunderkrankung wie etwa Krebs und Autoimmunerkrankungen wie Polyarthritis, Morbus Crohn etc. eine Therapie erhalten, die das Immunsystem schwächt.

 

3 Gibt es immer noch ein Problem mit Masernerkrankungen?

Ja, die Impfraten sind in Österreich zu niedrig, um die Krankheit zu eliminieren. Im vergangenen Jahr wurden erneut 77 Erkrankungen registriert – trotz kostenloser Impfung für alle Altersgruppen. Für eine ausreichende Immunität der Bevölkerung („Herdenschutz“) wäre eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Dosen im Abstand von einem Monat erforderlich. Die Dokumentationen zeigen jedoch, dass für die Zwei- bis Fünfjährigen die Rate mit der zweiten Dosis nur bei etwa 81 Prozent liegt.

Konkret heißt das, dass 48.000 Kinder in dieser Altersgruppe eine zweite Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR-Dreifachimpfung) erhalten sollten und nicht ausreichend geschützt sind. Nach einer zweimaligen Impfung besteht in der Regel lebenslanger Impfschutz.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. In 20 Prozent der Fälle treten Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen auf. Bei zwei von 1000 Fällen sind Gehirnentzündungen die Folge – mit dramatischen Verläufen bis hin zu Todesfällen. Die Viruserkrankung wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und schwächt bei einem Ausbruch das Immunsystem nachhaltig, sodass die Betroffenen jahrelang deutlich anfälliger sind auf alltägliche Infektionskrankheiten.

 

4 Welche vermeidbaren Krankheiten sind auf dem Vormarsch?

Neben Masern und Mumps nahm in den vergangenen Jahren auch die Zahl der an Keuchhusten erkrankten Erwachsenen deutlich zu, besonders betroffen sind Menschen über 60. Keuchhusten ist eine ebenfalls durch Tröpfcheninfektion übertragbare Erkrankung. Erwachsene sind die häufigste Infektionsquelle für Säuglinge, für die Keuchhusten sehr gefährlich sein kann. Daher werden regelmäßige Auffrischungsimpfungen (alle zehn Jahre) für Jugendliche und Erwachsene dringend angeraten.

Auch Influenza verursacht jedes Jahr bis zu 1000 Todesfälle, darunter auch bei zuvor vollkommen gesunden Kindern. Hier ist es laut neuem Imfplan ebenfalls notwendig, die Durchimpfungsraten zu erhöhen. In den vergangenen Jahren haben sich nur sechs Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Eine Impfung wirkt rund zwei Wochen nach Verabreichung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2019)

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