Zu fett, ohne es zu wissen

Jeder Dritte trägt eine nicht alkoholische Fettleber in sich – und doch wird die „stumme“ Lebererkrankung oft nur zufällig entdeckt. Dabei gibt es Wege, sie frühzeitig zu erkennen und so auch das Risiko für Herzinfarkt und Diabetes zu senken.

Pamela Zezula- Dettmann, Michael Hagen und Georg Santha beim MRT.
Pamela Zezula- Dettmann, Michael Hagen und Georg Santha beim MRT.
Pamela Zezula- Dettmann, Michael Hagen und Georg Santha beim MRT. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

„Das hört sich an wie ein französischer Aufstrich.“ Mit der amüsierten Reaktion ihrer Kollegin auf ihre Diagnose hatte Marie Wagner nicht gerechnet. „Ich habe eine Fettleber“, hatte die 35-Jährige gemurmelt, als sie an jenem Morgen ins Büro kam, den Befund des Arztes noch in der Hand. Ihr „ausgewogenes Leben“ lief vor ihrem inneren Auge ab: Ein, zwei Bier am Wochenende, täglich ein Früchtesmoothie, dazu etwas Obst, und ab und an nahm sie ja auch die Treppe anstelle des Lifts. Wie konnte es sein, dass sie sich damit eine kranke Leber herangezüchtet hatte – noch dazu, ohne es zu bemerken?

„Viele Patienten sind schockiert, wenn sie hören, dass sie eine Fettleber haben, dabei ist es leider etwas sehr Gängiges“, sagt Georg Santha. Die Zahl jener, die daran leiden, steigt stetig an. „Es ist eine Wohlstandskrankheit“, erläutert der Radiologe und Allgemeinmediziner. „Ausschlaggebend ist ein jahrelanger ungesunder Lebensstil: Die Menschen bewegen sich zu wenig und werden mit zu vielen Kohlenhydraten, wie etwa Softdrinks, Weizenprodukten und Süßigkeiten regelrecht gemästet.“

Das Resultat: „30 bis 40 Prozent der Österreicher sind von der nicht alkoholischen Fettleber, kurz NAFLD, betroffen, kaum einer von ihnen weiß es.“ Denn: „Die Leber ist ein stummes Organ: Passt etwas nicht, schickt sie keine Signale an das Gehirn, da sich in ihr keine Nervenzellen befinden. Es gibt also zunächst keine Symptome – erst, wenn andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2019)

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